Dreieinhalb Meter schraubt sich das Wende-Denkmal in die Höhe. Auf einer Seite ist die Bronzeskulptur eingerissen. Symbolische Gitterstäbe füllen diesen Raum. Sie bilden die Repression in der DDR ab. Die Angst, dass es deren Bürgern 1989 genauso ergehen würde wie den Ungarn 1956 und den Tschechoslowaken 1968 und der Freiheitskampf letztlich erfolglos bleibt.

Es sollte anders kommen, das war spätestens vor genau 30 Jahren klar. Den 9. November, den Tag, an dem die Mauer fiel, kennt jeder. Das mit der Bronzeskulptur verbundene Datum praktisch niemand. Dabei bedeutete der 7. Oktober 1989 eine Zäsur. Erstmals kapitulierte die DDR-Staatsmacht vor den Protestierenden. Nicht wie zuvor löste sie Kundgebungen gewaltsam auf, die Demonstration wurde damals friedlich beendet. Auch der Schauplatz des Geschehens ist in Vergessenheit geraten. Nicht in Berlin, auch nicht in Leipzig trotzte die Bevölkerung dem Regime, sondern in Plauen.

In Plauen erinnert das Wende-Denkmal daran, dass nicht in Berlin oder Leipzig, sondern in der sächsischen Stadt 1989 die DDR-Staatsmacht erstmals vor den Demonstranten kapitulierte. - © Foto: Alexander Dworzak
In Plauen erinnert das Wende-Denkmal daran, dass nicht in Berlin oder Leipzig, sondern in der sächsischen Stadt 1989 die DDR-Staatsmacht erstmals vor den Demonstranten kapitulierte. - © Foto: Alexander Dworzak

Die sächsische Kleinstadt liegt im westlichen Zipfel des Freistaates, nach Bayern und Tschechien ist es ein Katzensprung. Bereits im 15. Jahrhundert war Plauen ein Zentrum der Tuchmacher und Baumwollweber. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erlebte die Plauener Spitze ihren Höhepunkt, eine fünfstellige Zahl an Stickmaschinen war im Einsatz. Die der Einwohner stieg 1912 auf knapp 130.000. Heute ist es die Hälfte.

Die Jungen nicht verlieren

Der Abstieg ist nicht gleich sichtbar. Der Ortskern ist revitalisiert, die jahrhundertealten Weberhäuser wurden wieder instand gesetzt. Es gibt auch kein Heer an Arbeitslosen; in Plauen sind es 5,6 Prozent, in der Umgebung, dem Vogtlandkreis, sogar noch weniger. Die Perspektive vor Ort fehlt aber. Zur Arbeit wird oft ins sächsische Zwickau oder nach Hof in Bayern gependelt - wo auch Tausende studieren. In Plauen gibt es gerade einmal eine Berufsakademie für 400 Personen. Die Stadt droht die Jungen zu verlieren.

Wo Zukunftssorgen herrschen, blüht die AfD auf. In Plauen erhielt ihr Kandidat Frank Schaufel bei der Landtagswahl im September die meisten Direktstimmen und zog ins sächsische Parlament ein. Überhaupt wurde die Wahl in Sachsen zum Triumph, 27,5 Prozent bedeuteten das beste Ergebnis in der jungen Parteigeschichte. Nur sechs Jahre nach ihrer Gründung ist die AfD Volkspartei im Osten. Mit Ausnahme des historischen Sonderfalls Berlin liegt sie nirgends unter 20 Prozent.

Bereits vor Beginn der Flüchtlingskrise war die AfD im Osten wesentlich stärker als im Westen, seit 2015 startet sie durch. Auf der Suche nach den Ursachen hat sich "der Westen" in bisher noch nie da gewesener Weise mit den nicht mehr "neuen Bundesländern" beschäftigt.