In einer Koalition mit der konservativen Partei, die nur ungern Gebote oder Verbote erlässt, führt das auch immer wieder zu zähen Konflikten. Wenn es beispielsweise um die Verteilung von Parkplätzen geht oder den kostenintensiven Ausbau von Ladeinfrastrukturen für E-Autos. Aber umsonst sei Klimaschutz eben nicht zu haben, sagt Hoogvliet. "Das ist keine Wohlfühlveranstaltung."

"Wir müssen die Menschen mitnehmen, sagt dagegen Roman Zitzelsberger, der Bezirksleiter der Arbeitnehmervertretung IG Metall. 288.000 Arbeitsplätze sind direkt oder indirekt vom Fahrzeugcluster abhängig. "Natürlich machen sich Beschäftigte, die am Verbrennungsmotor arbeiten, Sorgen um ihre Zukunft. Und wenn in dieser Situation irgendjemand erklärt, der Klimawandel sei Unsinn, dann ist ein Teil davon anfällig für solche Botschaften." Dass der technologische Wandel kommt, ist den Arbeitnehmervertretern aber klar. Die Gewerkschaft muss nun vor allem mit der unbequemen Wahrheit umgehen und fordert von den Unternehmen und der Politik, sich Gedanken über die Arbeitnehmerplanung und -entwicklung der Zukunft zu machen. Denn dafür braucht es andere Qualifizierungen und Umschulungen.

Eine Chance für die Industrie

Aber auch den Unternehmen fehlt die Planungssicherheit. "Man hört von Klimafreunden, der Strategiedialog sei viel zu autofreundlich. Was wollt ihr denn? Wollt ihr gar kein Auto, dann sagt das doch," sagt Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervertretung Südwestmetall. Er bezieht sich damit auf den Aktionsplan der Grünen, die bis 2030 ein Drittel weniger KfZ-Verkehr haben wollen. Gleichezeitig vermisst Dick aber auch klare Ansagen, wie in China, wo man von den Fehlern in Europa und den USA gelernt habe. "Die Chinesen lassen einen Schritt aus und rüsten gleich alles auf Grün um. Da wird es schwierig, unsere bisherigen Modelle zu verkaufen."

China hat sich zum Leitmarkt entwickelt, Stuttgart muss ihn bedienen. Denn jeder zweite Euro, den die baden-württembergische Industrie absetzt, kommt aus dem Export und China ist der zweitwichtigste Handelspartner. Walter Rogg, Geschäftsleiter der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, sieht hier eine Chance. "Man kann jetzt Geld verdienen, indem man Produkte und Verfahren anbietet, die dem Klimawandel entgegenwirken." Aber auf keinen Fall dürfe man sich hier gegen das Auto stellen, sagt er. "Die Produktion geht dahin, wo die Nachfrage ist, und Forschung und Entwicklung gehen dahin, wo die Produktion ist. Sinn macht es, die Rolle des Autos im heutigen Umfang zu problematisieren."

Rogg wirkt wie die personifizierte Brücke zwischen den Fronten. Er verteidigt das Auto und verurteilt, genauso wie die Umweltverbünde, den übermäßigen Individualverkehr. Und das CDU-Mitglied zeigt sich beeindruckt davon, wie der grüne Ministerpräsident den Spagat meistert: "Winfried Kretschmann steht für Verlässlichkeit und Nachdenklichkeit und nimmt so die Leute in die nachhaltigere Wirtschaft mit", sagt Rogg. Am Wochenende wird sich herausstellen, ob auch Österreich dieses Experiment wagt und die Weichen für eine grüne Regierungsbeteiligung auf Bundesebene stellt.