Nach den jüngsten Wahlumfragen, die den unerwartet großen Erfolg der Rechtspopulisten vorhersagen, läuteten bei sämtlichen Parteien die Alarmglocken. Sollte es wie geplant am Wahlsonntag zudem zu neuen separatistischen Ausschreitungen in Barcelona kommen, dürften Vox, aber auch die Konservativen, wahrscheinlich noch mehr Stimmen erhalten.

Obwohl am Wahltag politische Demonstrationen gesetzlich verboten sind, gab Kataloniens Regierungschef Torra separatistischen Organisationen "Grünes Licht" zum "friedlichen Protest", wissend, dass unter anderem die Belagerung von zahlreichen Wahllokalen geplant ist. Die Zentralregierung schickte bereits 4.500 Polizeikräfte aus anderen Regionen Spaniens zur Unterstützung der katalanischen Regionalpolizei Mossos d'Esquadra nach Katalonien.

Bewusst verlegte Spaniens sozialistischer Ministerpräsident und Wahlfavorit Sanchez sein letztes Wahlkampfmeeting am Freitagabend nach Barcelona, um symbolisch vor dem Erstarken der Rechtspopulisten und den Auswirkungen einer anhaltenden Krise in Katalonien zu warnen.

Zusammen mit dem zukünftigen EU-Außenbeauftragten Josep Borrell, einem Katalanen, malte er vor 3.000 Anhängern in der Fira-Messehalle von Barcelona ein düsteres Bild für Spanien und für Katalonien, sollten die Rechtspopulisten wirklich derart stark werden, wie die jüngsten Umfragen vorhersagen. Ihm mache eine Partei, die Migration mit Kriminalität gleichsetze, Homosexuelle als Kranke bezeichne und andere Parteien verbieten und Autonomien abschaffen will, Angst, so Sanchez am Freitagabend in Barcelona. Vox sei eine "ernsthafte Bedrohung" fürs Land.

Mit der Angstmache vor den neuen Rechtspopulisten hatte Sanchez im April Erfolg. "Doch seitdem Vox im spanischen und im Europäischen Parlament vertreten ist und in einigen Regionen sogar Koalitionsregierungen von Konservativen und Ciudadanos unterstützen, gewöhnen sich die Spanier an die Partei, verlieren die Angst", erklärte Wahlforscher Pablo Simon gegenüber der APA.

Wird Vox zum Königsmacher?

Vox wird wahrscheinlich zum großen Wahlgewinner werden, eventuell sogar zum "Königsmacher". Das sagen alle Umfragen voraus. Der Vormarsch geht vor allem auf Kosten der liberal-konservativen Ciudadanos. Im April übernahmen die "Bürgerlichen" von Albert Rivera mit nur neun Sitzen weniger als die Konservativen beinahe die Oppositionsführung. Doch am Sonntag werden sie wahrscheinlich ein regelrechtes Wahldebakel hinnehmen müssen und von 57 auf zehn Mandate abrutschen. Mit 40 Sitzen werden sogar die selbst in einer tiefen Popularitätskrise befindlichen Linken von Unidas Podemos (UP) und die separatistischen Linksrepublikaner ERC aus Katalonien, die auf 13 Sitze hoffen können, die Ciudadanos in der Gunst der Wähler überholen.