Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez hat sich mit der linkspopulistischen Unidas Podemos (UP) auf die Bildung einer Koalitionsregierung verständigt. Um das politische Patt zu durchbrechen, habe man eine "progressive" Regierung aus Sozialisten und Unidas Podemos vereinbart, sagte Sanchez nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstagnachmittag in Madrid.

Sanchez äußerte sich gemeinsam mit UP-Chef Pablo Iglesias. Dieser berichtete, dass bereits ein "Vorvertrag" für ein Koalitionsabkommen akkordiert worden sei. Man werde nun um Unterstützung weiterer Parteien für das Abkommen werben, sagte er. Die beiden Parteien stellen nach der Wahl am Sonntag gemeinsam 155 der 350 Mandate im Madrider Parlament, um 21 weniger als die absolute Mehrheit.

Mehrheitsbeschaffer gesucht

Als mögliche Mehrheitsbeschaffer werden kleinere linke oder regionale Parteien genannt, aber auch die beim Urnengang vernichtend geschlagenen rechtsliberalen Ciudadanos (Bürger). Deren Chef Albert Rivera, der bisher eine Zusammenarbeit mit Sanchez strikt ausgeschlossen hatte, war am Montag zurückgetreten, nachdem die Partei 47 ihrer bisher 57 Mandate verloren hatte.

Die Sozialisten waren bei der Wahl am Sonntag zwar neuerlich klar stärkste Kraft geworden, konnten ihre führende Position aber nicht ausbauen. Die vorgezogene Wahl - der vierte Urnengang innerhalb von nur vier Jahren - war erforderlich geworden, weil sich Sanchez mit den Linkspopulisten nicht auf die Duldung einer Minderheitsregierung verständigen konnte.

Der große Erfolg der rechtspopulistischen Partei Vox (Stimme), die mit 52 Mandaten (bisher 24) künftig drittstärkste Kraft im spanischen Parlament sein wird, hat den Einigungsdruck auf die beiden Linksparteien nun aber massiv verstärkt. Zudem kamen von der konservativen Volkspartei (PP) deutliche Signale, Sánchez nicht ins Amt helfen zu wollen. Medienberichten zufolge wollte die Partei von Oppositionsführer Pablo Casado eine sozialistische Minderheitsregierung nur dulden, wenn diese nicht von Sánchez geführt wird.

Bereits am Montag hatte auch die mit UP verbündete einflussreiche Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, in drastischen Worten auf die Bildung einer Linksregierung gedrängt. "Entweder die Linken bilden eine breite Front, oder wir fahren alle zur Hölle", schrieb sie auf Twitter.