Von Bekundungen der Empörung aus der EU lässt sich die Türkei nicht aufhalten. Sie setzt die Suche nach Erdgas vor Zypern fort. Damit geht auch der Streit zwischen Brüssel und Ankara weiter: Denn die EU stellt sich hinter ihr Mitglied Zypern, das in den türkischen Aktivitäten im Mittelmeer eine Verletzung des internationalen Rechts sieht.

Anfang der Woche hatten die EU-Staaten den rechtlichen Rahmen für Sanktionen gegen die Türkei geschaffen. Mit der Androhung von Strafmaßnahmen wollen sie Ankara dazu bringen, die Bohrungen vor der zypriotischen Küste einzustellen. Demnach kann das Vermögen von Einzelpersonen oder Unternehmen eingefroren werden, die an der als rechtswidrig erachteten Erdgassuche beteiligt sind. Außerdem können Einreiseverbote in die EU verhängt werden.

Ankara zeigt sich wenig beeindruckt. Wie der zypriotische Staatsrundfunk RIK am Freitag berichtete, sei das türkische Bohrschiff "Fatih" im Golf von Famagusta im Osten der geteilten Mittelmeerinsel angekommen. Zwei andere türkische Schiffe führen bereits seit Wochen Bohrungen und Forschungen südlich Zyperns durch.

Ebenso lang übt die griechisch-zypriotische Regierung heftige Kritik daran. Dass die Türkei kurz nach den Sanktionsdrohungen weitere Aktivitäten setzte, zeuge von einer "extremen und provokanten Missachtung von europäischem und internationalem Recht", hieß es aus der Präsidentschaftskanzlei in Nikosia.

Geteilte Insel

Die Hauptstadt ist wie das Land geteilt. Seit 1974 sind im Norden, in der - lediglich von Ankara anerkannten - Türkischen Republik Nordzypern türkische Truppen stationiert. Die Insel ist zwar in ihrer Gesamtheit Mitglied der EU, doch wird das Regelwerk der Gemeinschaft im Norden nicht angewandt.

Hier setzt die Argumentation der Türkei an, die sich als Garantiemacht für die türkischen Zyprioten sieht. Deren Anteile am Erdgasgeschäft sollen ebenfalls gesichert werden, befindet die Regierung in Ankara. Außerdem vertritt sie den Standpunkt, dass der Meeresboden, wo sie probeweise nach Erdgas bohren lässt, zu ihrem sogenannten Festlandsockel gehöre. Den Vorwurf illegaler Bohrungen weist sie damit zurück. (dpa/reu)