Anders als in Prag sei die Veranstaltung nicht von der Sonderpolizei gewaltsam unterbunden worden. "Angst hatten wir keine", sagt Zitny. "Plötzlich ist der erste Sekretär der KP Bratislava gekommen und wollte ein Gespräch. Spontan und in der Öffentlichkeit." Trotzdem sei es zu diesem Zeitpunkt völlig unklar gewesen, wie sich die Sache entwickelt.

Am 17. November sollte es eine große Kundgebung in Bratislava geben, die wurde aber von den Behörden verboten. Rund 400 Studenten versammelten sich trotzdem im Hof der Universität. "Niemand von uns hat gewusst, dass zeitgleich in Prag eine Kundgebung niedergeknüppelt worden ist", sagt Zitny. Davon habe man erst am Folgetag per Telefonanruf erfahren.

"Alle waren wir Arbeiter"

Man habe sich wieder getroffen und eine Petition verfasst. Dann nahmen die Dinge im slowakischen Teil der CSSR unaufhaltsam ihren Lauf. "Die Revolution hat sich in der Slowakei ausgebreitet wie ein Feuer. Sehr spontan und sehr rasch", sagt Zitny. "Wir sind durch die Slowakei gereist und haben die Videoaufnahmen von der Polizeigewalt gegen die Studenten in Prag verbreitet."

Am 27. November wurde zum Generalstreik aufgerufen, "an diesem Tag war dem Regime klar, dass das Spiel vorbei ist. Wir haben mit einer Stimme gesprochen, es gab keine Spaltungen und Fraktionen. Alle waren damals Arbeiter, auch die Intellektuellen." Und es habe zahllose Hilfs- und Solidaraktionen gegeben. "Alle hatten das Gefühl, dass wir nicht gestoppt werden können. Alles lief ohne Gewalt, aber sehr konsequent." Mit Zugeständnissen und kleinen Reformen wollte man sich nicht mehr zufriedengeben. "Festival, Party, Euphorie - es war alles zusammen." Diese Stimmung habe nicht lange angehalten, so Zitny. "Das gab es nur ein paar Tage, maximal Wochen. Dann war Schluss."