Zwar ist sie jetzt so angeschlagen wie nie zuvor, weil sie im letzten Jahrzehnt ihre markanten Führungspersönlichkeiten verloren hat. Ihr Gründer, Ion Iliescu, der 1989 mit am Sturz Ceausescus beteiligt war, hat sich zurückgezogen. Iliescus politischer Ziehsohn Adrian Nastase, eine der intellektuellen Leuchten der PSD, hat die Bühne verlassen, nachdem er 2012 wegen Korruption verurteilt wurde und ins Gefängnis musste. Der letzte starke PSD-Mann, Liviu Dragnea, wurde im Mai dieses Jahres ebenfalls wegen Korruption verurteilt und inhaftiert.

Diese Verurteilung wollte Dragnea als PSD-Chef mit den von ihm initiierten Attacken gegen die Justiz verhindern. Seit Beginn der Regierungsperiode 2017 hat er dabei zwei Ministerpräsidenten verschlissen. Beide - Sorin Grindeanu und Mihai Tudose - haben Dragneas Pläne letztlich nicht umgesetzt und ihn wegen nachdrücklicher Warnungen aus Brüssel hingehalten.

Marionette Dragneas

Die ab Anfang 2018 regierende Dancila, die lange als Marionette Dragneas galt, hat zwar die EU-Kritik an der Justizpolitik stets zurückgewiesen. Doch konnte auch sie Dragneas Verurteilung nicht verhindern - und das verzeihen ihr die PSD-Lokalbarone nicht.

Daran dürfte es liegen, dass die Wählermobilisierung bei der ersten Runde der Präsidentenwahl vor zwei Wochen in manchen PSD-Hochburgen schwach war. Johannis wiederum hat etliche Anhänger enttäuscht, weil er zu wenig gegen die Politik der PSD getan hat. Manche werfen ihm vor, zugelassen zu haben, dass die PSD Gelegenheit zur Selbstblamage bekommt, um besser dazustehen.

Tatsächlich hat die PSD mit Hilfe eines ihr mehrheitlich treuen Verfassungsgerichts die Befugnisse des Staatschefs verringert. So kam es unter anderem dazu, dass Johannis die effizienteste Antikorruptionsjägerin, Laura Kövesi, gegen seinen Willen vorzeitig entlassen hat. Kövesi, bis Sommer 2018 Chefin der Antikorruptionseinheit DNA, wurde von der EU zur Leiterin der für 2020 geplanten EU-Staatsanwaltschaft erkoren.

Andererseits hat Johannis von seinem Recht, Regierungssitzungen zu leiten, nur ein einziges Mal Gebrauch gemacht. In Rumänien bestimmt der Staatschef die Außen- und Sicherheitspolitik. Gemessen an der hohen demokratischen Legitimation durch seine direkte Wahl hat er wenig Befugnisse. Mit diesem System der geteilten Macht zwischen Regierung und Staatsoberhaupt wollten vor 30 Jahren Rumäniens neue Demokraten verhindern, dass jemals eine Person wieder so viel Macht bekommt wie Ceausescu. Das ist jedenfalls gelungen.