Wegen Streiks bei der staatlichen Bahngesellschaft SNCF und der Pariser Nahverkehrsgesellschaft RATP kommt es in Frankreich zu massiven Verkehrsbehinderungen. Am Donnerstagvormittag stauten sich insbesondere in der Hauptstadtregion Paris die Autos, wie französische Medien berichteten.

Zahlreiche Gewerkschaften hatten im Konflikt um die geplante Pensionsreform zu den Protesten aufgerufen. Auch in den Schulen, im öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern oder der Justiz soll die Arbeit niedergelegt werden.

Macron will Frankreichs veraltetes Pensionssystem vereinfachen, das mehr als 40 verschiedene Pensionsformen umfasst. Viele davon haben uneinheitliche Pensionsantrittsalter und unterschiedliche Auszahlungsmodalitäten. Er sagt, das System sei unfair und zu teuer. Macron fordert ein einheitliches, punktebasiertes System, wonach jeder Pensionist für jeden eingezahlten Euro die gleichen Rechte habe.

Der Generalstreik gegen Macrons Pensionsreformpläne legt den öffentlichen Verkehr in Frankreich lahm. - © APAweb / Reuters, Benoit Tessier
Der Generalstreik gegen Macrons Pensionsreformpläne legt den öffentlichen Verkehr in Frankreich lahm. - © APAweb / Reuters, Benoit Tessier

Zahlreiche Demonstrationen angekündigt

Insbesondere im Schienenverkehr dürften die Proteste fortgesetzt werden. "Ich denke, dass diese (Protest-)Bewegung in den kommenden Tagen andauern wird", sagte Verkehrsstaatssekretär Jean-Baptiste Djebbari dem Nachrichtensender BFMTV.

Die SNCF hatte angekündigt, dass nur einer von zehn Hochgeschwindigkeitszügen (TGV) fahren werde. Bei Regionalzügen sieht es ähnlich aus. Der Bahnverkehr nach Deutschland wird weitestgehend lahmgelegt. Auf den Metrolinien der Hauptstadt fahren die Züge nur eingeschränkt oder gar nicht. Auf den Straßen des Landes sind zahlreiche Demonstrationen angekündigt.

Die landesweiten Streiks in Frankreich haben auch Auswirkungen auf die Flugverbindungen zwischen Österreich und Frankreich. Zwei AUA-Flüge zwischen Wien und Paris wurden am Donnerstagvormittag abgesagt. Es wurden keine weiteren Flugausfälle erwartet.

Der AUA-Frühflug aus Paris hatte deutliche Verspätung. Er sollte erst um 10.45 Uhr in Wien ankommen statt wie geplant um 09.05 Uhr.

Bevölkerung vorbereitet

Zur Vorbereitung auf den Generalstreik waren eingestaubte Fahrräder repariert worden und Notfallbetreuung für Kinder organisiert worden. Betreiber von Fahrgemeinschafts-Apps freuten sich über einen deutlichen Mitgliederanstieg.

"Ich habe noch nie gesehen, dass so viele Leute staubige alte Fahrräder aus ihren Kellern holen", sagte Julien, ein Mechaniker einer Fahrradwerkstatt in einem wohlhabenden Viertel der Hauptstadt. Die Gewerkschaften stellen sich auf einen landesweiten Streik über die Pensionsreform ein. Sie hoffen, dass der Arbeitskampf den Verkehr zum Stillstand bringt, Schulen geschlossen werden müssen und die Müllabfuhr nichts gegen die unvermeidlichen Abfallberge unternimmt, um Präsident Emmanuel Macron zur Rücknahme seiner Pensionsreform zu zwingen. "Wir müssen die Wirtschaft lahmlegen", sagte Christian Grolier, ein hochrangiger Vertreter der Gewerkschaft Force Ouvriere.

Es werde erwartet, dass voraussichtlich mehr als die Hälfte aller Lehrer an Volks- und weiterführenden Schulen nicht zur Arbeit gehen und die Notaufnahmen von Krankenhäusern landesweit mit dünner Personaldecke auskommen müssen.

In ganz Frankreich sind nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner 245 Demonstrationen angemeldet. In Paris soll es einen großen Demonstrationszug geben. Aus Sicherheitsbedenken hat die Polizei Ladenbesitzer an der Demoroute aufgefordert, ihre Geschäfte und Restaurants nicht zu öffnen. "Wir wissen, dass der radikale schwarze Block und "Gelbwesten" beschlossen haben, an den Demonstrationen in Paris teilzunehmen", sagte Castaner. Die Behörden rechnen mit Krawallen.

Sehenswürdigkeiten geschlossen

Die massiven Streiks in Frankreich treffen auch Paris-Touristen: Das Wahrzeichen der Hauptstadt, der Eiffelturm, bleibt am Donnerstag geschlossen. Wie die Betreibergesellschaft Sete mitteilte, gibt es nicht ausreichend Personal, um die Touristenattraktion an der Seine zu öffnen.

Der 130 Jahre alte Turm wird jährlich von rund sieben Millionen Menschen besucht. Die "dame de fer" (Dame aus Eisen), wie das Monument in Frankreich auch genannt wird, wurde für die Pariser Weltausstellung gebaut und 1889 fertiggestellt.

Große Pariser Museen wie der Louvre hatten bereits vor den Streiks vor möglichen Einschränkungen für Besucher gewarnt. Das Impressionisten-Museum Musée d'Orsay bestätigte via Twitter, es bleibe geschlossen.

Kein Enddatum

Die bisherigen Versuche einer Pensionsform sind nicht gut ausgegangen: Die konservative Regierung des ehemaligen Präsidenten Jacques Chirac hat sich 1995 nach wochenlangen, lähmenden Protesten den Forderungen der Gewerkschaften gebeugt.

Laurent Berger, Chef der reformorientierten CFDT-Gewerkschaft, sagte, das soziale Umfeld sei explosiver als 1995. "In Bezug auf Spannungen, sozialen Zusammenhalt und Brüche in der Gesellschaft ist es jetzt viel schlimmer", sagte Berger der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Verkehrsgewerkschaften haben für den am 5. Dezember beginnenden Streik kein Enddatum festgelegt. (apa, dpa, reuters)