Der britische Premierminister Boris Johnson steht unter wachsendem Druck, sich noch vor der Parlamentswahl am 12. Dezember einem Interview des BBC-Moderator Andrew Neil zu stellen. Neil gilt als härtester Interviewer in Großbritannien und wird oft als "chief attack dog" (oberster Kampfhund) der BBC bezeichnet. Johnson weigert sich aber bisher.

In einem Twitter-Video, das seit Donnerstagabend mehr als 5,6 Millionen Mal angesehen wurde, rief Neil Johnson dazu auf, sich zu stellen. Die Spitzenkandidaten aller anderen Parteien hatten sich von Neil interviewen lassen und mussten dabei einige Federn lassen.

Johnson sei überhaupt der erste Kandidat bei einer Wahl, der sich einem Einzelinterview verweigere, sagte Neil. "Der Premierminister unseres Landes wird sich beizeiten gegen Präsident Trump, Präsident Putin, Präsident Xi von China behaupten müssen", sagte Neil. "Dann wird es bestimmt nicht zu viel verlangt sein, dass er sich mir gegenüber für eine halbe Stunde behauptet."

Themen des Interviews wären Vertrauen und "warum ihn Kritiker und manchmal sogar Nahestehende so oft in seiner Karriere, in der Politik und dem Journalismus als nicht vertrauenswürdig erachtet haben", sagte Neil.

Johnsons Konservative liegen in den Umfragen weit vor den Sozialdemokraten von Labour. Das britische Mehrheitswahlrecht macht Voraussagen aber sehr schwer. Nur die Kandidaten mit den meisten Stimmen in ihrem Wahlkreis ziehen ins Parlament ein. Ob Labour-Chef Jeremy Corbyn das Ruder noch einmal herumreißen kann, könnte sich am Freitagabend bei einem TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten zeigen.

"Wir haben einen Idioten in der Sendung"

Dass sich Andrew Neil kein Blatt vor dem Mund nimmt, zeigte er unter anderem beim Auftritt des US-Moderators Alex Jones. Das Gebrüll des Verschwörungstheoretikers kommentierte Neil gelassen mit: Sie sind die furchtbarste Person, die ich jemals interviewt habe." Er nannte Jones einen "Idioten" und zeigte ihm den Vogel. (dpa, apa)