Brüssel. Die Überfischung ist schon lange ein Problem. In Europa manifestiert sich das unter anderem in der Ostsee, die die skandinavische Halbinsel von Nordosteuropa trennt.

Erst diesen Oktober haben sich die EU-Fischereiminister für empfindlich niedrigere Fangquoten in dem Binnenmeer geeinigt - und kamen damit nach Jahren einer Forderung der Umweltschützer nach. Bisher hat die EU vor allem mit dreimonatigen Schonfristen operiert.

Nun sollen Ostseefischer, die ihr Boote stilllegen, nach dem Willen der EU-Fischereiminister finanzielle Unterstützung bekommen. Auf eine entsprechende Regelung verständigten sich die Minister am Montag in Brüssel. Das Europaparlament müsste den Plänen noch zustimmen, damit sie umgesetzt werden können.

Die EU-Staaten hatten sich im Oktober angesichts stark bedrohter Bestände auf eine Reduzierung des Fischfangs bei besonders bedrohten Arten verständigt.

Belohnung für das Stilllegen

Die EU-Kommission schlug für den Konsens vor, dass Staaten in der östlichen Ostsee betroffene Fischer bei der Stilllegung von Fangbooten unterstützen können sollen. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) forderte, dass auch Fischer in der westlichen Ostsee die Möglichkeit bekommen müssten, Stilllegungsprämien zu bekommen.

Die EU-Staaten verständigten sich nun darauf, dass diese Prämien Dorschfischern im gesamten Ostsee-Gebiet zugutekommen könnten. Auch Heringsfischer in der westlichen Ostsee sollen profitieren können.

Seit Jahren herrscht ein Streit um die Fangquoten in der Ostsee. Während Umweltschützer und Wissenschaft oft Alarm schlugen, wiegelten Politiker, die ihre nationalen Fischereiinteressen vertraten, oft ab. Wurden Sofortmaßnahmen zum Schutz beschlossen, wurden oft als Ausgleich Fangquote bei anderen Fischbeständen angehoben. 2018 hatte man sich etwa darauf geeinigt, die Fangquote für Dorsch in der westlichen Ostsee um satte 70 Prozent anzuheben. 

 Die Quote für den Hering in der westlichen Ostsee sank parallel um 48 Prozent - Umweltschützer und Wissenschaftler hatten aber einen vorläufigen Fangstopp gefordert, die EU-Kommission eine Reduzierung um 63 Prozent.

Langwieriges Gezerre um Verbot

Ein Jahr später, im Sommer 2019 kam dann das Verbot: Gewerbliche Fischer durften ab sofort keinen Dorsch mehr in der östlichen Ostsee fangen - vorerst nur bis Ende 2019. Die EU-Kommission versuchte so den angeschlagenen Bestand vor einem "drohenden Zusammenbruch" zu bewahren. Ein solcher hätte katastrophale Auswirkungen auf die Existenz vieler Fischer und Küstengemeinden im Ostseeraum, betonte damals Fischereikommissar Karmenu Vella.

 Bei den Quoten einigte man sich im Oktober 2019 nun auf deutlich niedrigere Quoten.  In der für deutsche Fischer wichtigen westlichen Ostsee sank die Quote für Hering um 65 Prozent und für Dorsch um 60 Prozent. Dorsch darf in den restlichen Gewässern nur als Beifang gefischt werden.

"Es wird ernste kurzfristige Wirtschaftsfolgen für einige Fischer geben", sagte damals Karmenu Vella. Die Kommission werde daher Hilfsmöglichkeiten prüfen.

Umweltschützer reagierten weitgehend enttäuscht. Für den Dorsch in der östlichen Ostsee sei ein absolutes Fangverbot nötig, um den dezimierten Bestand zu retten, teilte die Meeresschutzorganisation Oceana mit. Auch für den westlichen Hering müsse ein Fangverbot verhängt werden, um gravierende Folgen zu verhindern. Die Reduzierungen beim westlichen Dorsch seien hingegen zu begrüßen, erklärte Oceana-Europa-Direktorin Pascale Moehrle.

Deutschlands Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hatte diese Pläne hingegen vor den Verhandlungen mit ihren Ministerkollegen als "extreme Kürzungen" bezeichnet. Es sei wissenschaftlich vertretbar, "etwas moderater zu kürzen". (apa/wak)