Eine "Regionalmacht" hatte der damalige US-Präsident Barack Obama Russland 2014 geschimpft. Spätestens seitdem hat die Regierung in Moskau in den vergangenen Jahren alles unternommen, um dieses Bild zu konterkarieren - sei es in der Ukraine, in Syrien oder in der Energiepolitik. Zur Abrundung der weltpolitischen Geltung inszeniert sich Präsident Wladimir Putin am Jahresende gerne vor der Weltpresse. Gezählte 1895 Journalisten waren für die Veranstaltung am Donnerstag in Moskau akkreditiert, verkündete der Kreml stolz.

Sie bekamen Rückendeckung für Donald Trump zu hören. Die Anschuldigungen gegen seinen US-Amtskollegen seien erfunden, meinte Putin. Es war eine recht eigenwillige Sichtweise auf die bisherige Faktenlage zu Trumps Druck auf die Ukraine, die gegen seinen möglichen Konkurrenten um das Präsidentenamt, Joe Biden, ermitteln sollte. Recht dürfte Putin nach jetzigem Stand aber mit seinem Nachsatz haben, wonach der republikanisch dominierte US-Senat seinen Präsidenten nicht aus dem Amt entfernen werde.

Für die EU hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow bereits tags zuvor eine Botschaft platziert. Er bot einen "Neustart" in den Beziehungen an: "Wir stehen vor den gleichen Gefahren und Herausforderungen: Terrorismus, Drogenhandel, organisierte Kriminalität, illegale Migration und vieles mehr." Wie dieser "Neustart" gelingen soll, damit auch die EU ihre Sanktionen gegen Russland aufgibt, ließ Lawrow aber offen.

Ausrüstung der Separatisten indirekt eingeräumt

Ob Putin nach Ende der Amtszeit 2024 zum Abschied winken wird, ist ungewiss. - © reu/Novozhenina
Ob Putin nach Ende der Amtszeit 2024 zum Abschied winken wird, ist ungewiss. - © reu/Novozhenina

Von der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim rückt Russland keinen Millimeter ab. In dem von prorussischen Separatisten gehaltenen Gebiet in der Ostukraine schloss Putin am Donnerstag die Präsenz russischer Truppen erneut aus. Angesprochen auf die dort eingesetzte Technik erklärte er, dass diese von sympathisierenden Staaten stammten. Putin räumte somit indirekt ein, dass die Ausrüstung auch aus Russland kommt.

Um die patriotischen Gefühle der Russen zu bedienen, wurde zeitgerecht zur Pressekonferenz die Genehmigung für die Krim-Brücke von Russland auf die annektierte Halbinsel erteilt. Die 19 Kilometer lange Zugstrecke soll kommenden Montag eingeweiht werden. Geplant ist, dass die Brücke nachts in den russischen Flaggenfarben Weiß, Blau und Rot angestrahlt wird.

Folgte auf die Krim-Annexion ein Sympathiehoch für Putin, kann der Präsident nun keine große Begeisterung entfachen. Die Bürger treibt derzeit ein anderes Thema um: Dass in dem Land mit zirka 145 Millionen Einwohnern jedes Jahr rund 14.000 Frauen durch Partnerschaftsgewalt sterben. Häusliche Gewalt treffe auch Kinder - 2000 Todesopfer gebe es jährlich, hebt die Punkband Pussy Riot in einem Videoclip hervor.