Der Sozialdemokrat Zoran Milanovic hat  die Präsidentenwahl in Kroatien gewonnen. Der Herausforderer der konservativen Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic kam bei der Stichwahl am Sonntag auf 52,7 Prozent der Stimmen.

Milanovic kündigte in seiner Siegesrede an, keine großen und unrealistischen Versprechen zu machen. Schritt für Schritt werde man zu besseren Resultaten und besserem Leben in Kroatien kommen, sagte er am Wahlabend. "Wenn mein knapper und klarer Wahlsieg etwas Glauben in unsere Gesellschaft gebracht hat, dann bin ich ein glücklicher Mensch", so Milanovic.

Er kündigte an, die kroatische Verfassung zu seiner Leitlinie zu machen. "Ich werde die kroatischen Bürger nicht anhand von Sachen teilen, die sie schmerzen und gegenüber denen sie wenig Verständnis haben", sagte Milanovic. Er kündigte auch an, mit der Regierung "ohne Intrigen und geheime Geschäfte" zu kooperieren. Milanovic bedankte sich auch bei seiner Gegenkandidatin. Als seine Anhänger sie auszupfeifen versuchten, hat er sie mit einem klaren Nein aufgehalten.

Für die regierende national-konservative HDZ-Partei ist die Niederlage von Grabar-Kitarovic eine Ohrfeige vor der im Herbst anstehenden Parlamentswahl. Die Partei, vor allem aber ihr Chef und Regierungschef Andrej Plenkovic, hat sich in der Präsidentenwahl stark für seine Kandidatin engagiert.

Bereits Sieger in der ersten Runde

Milanovic hatte bereits die erste Runde der Präsidentenwahl vor zwei Wochen mit 29,6 Prozent der Stimmen für sich entschieden. Grabar-Kitarovic hatte 26,7 Prozent der Wähler auf sich vereint. Die amtierende Präsidentin hoffte aber noch auf Stimmen aus der Anhängerschaft des ultra-rechten Volksliedmusikers Miroslav Skoro. Er war in der ersten Runde mit 24,4 Prozent der Stimmen als Drittplatzierter relativ knapp ausgeschieden.

Im Wahlkampf spielten Themen wie die ineffiziente Regierungsführung und massive Auswanderung eine große Rolle. Grabar-Kitarovic war mit dem Bonus der amtierenden Präsidentin ins Rennen gegangen. Kritiker bemängelten jedoch, sie mache nicht einzuhaltende Versprechungen und biedere sich an.

Der Sozialdemokrat Milanovic wiederum versprach "Normalität" angesichts der von der politischen Rechten geführten "Scheindebatten" über die Landesgeschichte. Kroatien müsse den Krieg gegen Serbien, der dem Land von 1991 bis 1995 Tod und Verwüstung, aber auch die Unabhängigkeit gebracht hatte, endlich hinter sich lassen.

Präsident hatt vor allem eine zeremonielle Rolle

Das Staatsoberhaupt hat in Kroatien vor allem zeremonielle Befugnisse, da die Regierungsgeschäfte vom Ministerpräsidenten geführt werden. Die Wahl galt aber auch als Indikator für die Stärke des rechten und des linken Lagers vor den Parlamentswahlen voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte. Das jüngste EU-Mitgliedsland übernahm außerdem zur Jahreswende den Ratsvorsitz in der Europäischen Union. Kroatien ist seit 2013 in der EU.