Paris. Die französische Regierung ist bereit, vorerst auf den umstrittensten Punkt ihrer geplanten Pensionsreform zu verzichten. Er plane, die stufenweise Erhöhung des Pensionsantrittsalters auf 64 Jahre bis 2027 aus dem Gesetzesentwurf zu streichen, schrieb Ministerpräsident Edouard Philippe am Samstag in einem Brief an die Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen.

In Frankreich gibt es aus Protest gegen die Pensionspläne seit Wochen Streiks und Proteste. Philippe war am Freitag mit den Gewerkschaften zusammengetroffen. Bei neuerlichen Protesten am Samstag kam es zu Gewalt. Maskierte oder vermummte Demonstranten warfen in Paris am Samstagnachmittag Schaufensterscheiben ein und warfen Gegenstände in Richtung der Polizisten, die wiederum Tränengas einsetzten. Mehrere tausend Menschen beteiligten sich an einem Protestmarsch durch die französische Hauptstadt, darunter auch hunderte Mitglieder der Protestbewegung der Gelbwesten. Auch in zahlreichen weiteren Städten gab es Proteste.

Gewerkschaft fordert Rückzug der Reformpläne

Regierungschef Edouard Philippe hatte am Freitag nach weiteren Gesprächen mit Gewerkschaftsvertretern "konkrete Vorschläge" für einen möglichen Kompromiss angekündigt. Diese will er noch am Samstag vorlegen. Philippe hält jedoch daran fest, die umstrittene Reform bereits am 24. Jänner im Kabinett verabschieden zu lassen und Mitte Februar ins Parlament einzubringen.

Die einflussreiche Gewerkschaft CGT und andere fordern einen vollständigen Rückzug der Reformpläne, mit denen Präsident Emmanuel Macron das komplizierte System mit mehr als 40 Pensionskassen vereinheitlichen will. Das lehnt die Regierung kategorisch ab. Umstritten ist zudem der Plan der Regierung, das Pensionseintrittsalter auf 64 Jahre zu erhöhen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat das Kompromissangebot der Regierung im Streit um die Pensionsreform begrüßt. Der Präsident halte den Vorschlag von Premierminister Edouard Philippe für "konstruktiv und verantwortungsvoll", erklärte der Elysée-Palast am Samstagabend.

Nach Angaben aus seinem Umfeld war Macron seit einer erneuten Verhandlungsrunde am Freitag "in ständigem Kontakt" mit Philippe gestanden. Die Regierung hatte sich zuvor bereiterklärt, vorerst auf die Erhöhung des Pensionsantrittsalters auf 64 Jahre und damit auf den umstrittensten Punkt ihrer geplanten Pensionsreform zu verzichten. Philippe schrieb in einem Brief an Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, er sei bereit, das höhere Pensionsalter aus dem Gesetzentwurf zu streichen. (afp)