Maltas regierende Labour-Partei hat Robert Abela zu ihrem neuen Parteichef gewählt. Das Resultat der Abstimmung vom Samstag gab der stellvertretende Parteichef Chris Cardona am frühen Sonntagmorgen bekannt. Damit setzte sich der 42-Jährige Abela gegen Vize-Regierungschef Chris Fearne (56) mit 57,9 Prozent der Stimmen durch.

Der neue Parteichef soll nach den Gepflogenheiten des Mittelmeerstaates auch zum Regierungschef ernannt werden. Er löst den Sozialdemokraten Joseph Muscat ab, der im Zusammenhang mit der Krise nach dem Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia abtreten musste. Die Vereidigung Abelas wird bereits am Montag erwartet. Muscat gratulierte Abela nach dessen Sieg um den Parteivorsitz und sagte, er werde ihm das Büro des Premiers am Montag übergeben. Rund 17.500 Mitglieder der Labour-Partei waren zur Wahl des neuen Parteichefs aufgerufen.

Der Anschlag auf die Journalistin ist mehr als zwei Jahre her. Die schleppenden Ermittlungen zu Tätern und Hintermännern hatten die Regierung in Valletta zunehmend belastet. Auch die Europäische Union hatte Druck gemacht. Der Regierung in Valletta wurde vorgeworfen, die Ermittlungen verschleppt zu haben oder sogar selbst darin verwickelt zu sein.

Der viel kritisierte Josep Muscat musste abtreten.
 - © APAweb / afp/Andreas Solaro
Der viel kritisierte Josep Muscat musste abtreten.
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Tod der Journalistin Daphne Caruana Galizia

Für Sonntagnachmittag ist eine erste Ansprache des neuen Labour-Vorsitzenden geplant. Der 45-jährige Muscat hatte den schrittweisen Rückzug von seinen beiden Posten als Parteichef und Premier im Dezember angekündigt.

Die Journalistin Daphne Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Die damals 53-Jährige hatte über Korruption bei Regierung und Geschäftsleuten auf Malta recherchiert.

Ende 2019 wurde der mutmaßliche Hintermann des Mordes festgenommen, ein Unternehmer, der auch Kontakte zu Muscats Ex-Stabschef gehabt haben soll. Der enge Mitarbeiter des scheidenden Premiers war vor dem Hintergrund der Ermittlungen zum Tod von Daphne Caruana Galizia im November zurückgetreten. Er wurde vorübergehend festgenommen, kam wieder frei und beteuerte seine Unschuld.

Der Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia wurde Muscat zum Verhängnis. - © APAweb / afp/Stringer
Der Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia wurde Muscat zum Verhängnis. - © APAweb / afp/Stringer

Für klaren Neuanfang

Abela war erst 2017 zum ersten Mal für die Labour-Partei ins Parlament in Valletta gewählt worden. Gerade weil er nicht länger Teil des Machtgefüges um Premier Joseph Muscat war, steht er unter seinen Anhängern für einen klaren Neuanfang. Im Mordfall der Journalistin ergriff er Partei für die Kritiker, die die schleppenden Ermittlungen bemängelten.

Abela hatte im Wahlkampf angekündigt, sich stark im sozialen Bereich für die Bürger Maltas zu engagieren, etwa für bezahlbare Wohnungen. Er kommt aus einer in Maltas Politik bekannten Familie: Sein Vater George Abela ist ein ehemaliger Präsident des Landes. (apa)