Europa soll bis zum Jahr 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt werden. Das bedeutet, dass dann aus der EU keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen sollen. Nötig ist dafür eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas sowie der Umbau von Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und privater Energienutzung. Zur Finanzierung ihres "Green Deal" will die EU-Kommission einen Billionen-Euro-Plan auflegen, der am Dienstag in Straßburg vorgestellt wurde. Ein Überblick.

  • Riesige Investitionslücke beim Klimaschutz

In ihrem "Investitionsplan für ein nachhaltiges Europa" geht die Kommission davon aus, dass in der nächsten Dekade 1,2 Billionen Euro nötig sind, um das EU-Klimaziel für 2030 noch zu erreichen (Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent im Vergleich zu 1990). Dazu müssten zudem Investitionen von 260 Milliarden Euro pro Jahr mobilisiert werden, heißt es in einem Dokument der Behörde, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, und von einer "Investitionsherausforderung" spricht.

  • Größter Investitionsbedarf bei der Gebäudesanierung

Den größten Bedarf für klimafreundliche Investitionen sieht die EU mit 120 Milliarden Euro jährlich bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden. Es folgen wirtschaftlich genutzte Gebäude wie Büros, bei denen aus Sicht Brüssels 75 Milliarden Euro pro Jahr mehr nötig sind. Im Energiebereich fehlen demnach 40 Milliarden jährlich und im Verkehrssektor 20 Milliarden Euro.

  • Der Billionen-Euro-Plan der EU-Kommission

Ziel der Kommission ist es, zwischen 2021 und 2030 öffentliche und private Investitionen in Klimaprojekte von "mindestens einer Billion Euro" zu mobilisieren - also etwa 100 Milliarden pro Jahr. Aus dem EU-Haushalt sollen 485 Milliarden Euro kommen. Die Mitgliedstaaten sollen sich durch Kofinanzierung mit rund 114 Milliarden Euro beteiligen. Die Europäische Investitionsbank (EIB) soll zudem zur "Klimabank" werden und ihre Kredite in dem Bereich verdoppeln.

Die ehrgeizigen Pläne von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sind abhängig von einer Einigung der EU-Staaten auf einen neuen Haushaltsrahmenplan für die Jahre 2021 bis 2027. Laut EU-Kommissionsvize Frans Timmermans sollen 30 bis 50 Milliarden Euro für neue Investitionen aus dem siebenjährigen Finanzrahmen kommen - auf den sich die EU noch nicht geeinigt hat. Auf zehn Jahre gerechnet soll das jährlich rund 7,5 Milliarden Euro ausmachen. Doch Deutschland und andere Staaten wollen dafür weit weniger Geld geben als von der EU-Kommission verlangt. Mehrere Nettozahler-Staaten, darunter Österreich, sind gegen eine Erhöhung des EU-Budgets.