Oslo. Norwegens Mitte-rechts-Kabinett verliert seine Mehrheit im Parlament. Nach einem Streit über die Rückkehr einer mutmaßlichen IS-Anhängerin aus Syrien hat die rechtspopulistische Fortschrittspartei FrP am Montag angekündigt, sich aus dem Regierungsbündnis zurückzuziehen.

"Ich habe uns in die Regierung geführt, und nun führe ich die Partei heraus", sagte die Chefin der im rechten Spektrum angesiedelten Fortschrittspartei, Siv Jensen. Zuvor gab sie auch ihren Rücktritt als Finanzministerin bekannt.

Trotz Verlust der Parlamentsmehrheit wurde erwartet, dass Ministerpräsidentin Erna Solberg von der konservativen Partei Hoyre als Chefin einer Minderheitsregierung im Amt bleibt.

Die 29-jährige mutmaßliche IS-Sympathisantin, die den Streit zwischen den Parteien ausgelöst hatte, war am vergangenen Freitag mit ihren beiden kleinen Kindern nach Norwegen zurückgekehrt. Sie hatte Norwegen im Jahr 2013 verlassen und wurde kurz nach ihrer Ankunft in Oslo wegen des Vorwurfs der IS-Mitgliedschaft festgenommen. Die Fortschrittspartei hat zwar Hilfen für die Kinder angeboten, lehnt aber staatliche Unterstützung für die Rückkehr von Erwachsenen ab, die sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" angeschlossen oder IS-Kämpfer geheiratet haben.

Breite Koalition seit 2018

Hoyre und die FrP regierten seit rund einem Jahr gemeinsam mit der liberalen Partei Venstre und den Christdemokraten KrF. Solberg ist seit 2013 norwegische Ministerpräsidentin. Sie war zunächst eine Minderheitsregierung mit der rechtspopulistischen FrP eingegangen. Christdemokraten und Venstre hatten dieses Kabinett gestützt, waren aber zunächst nicht direkt daran beteiligt. Anfang 2018 schloss sich Venstre an, ein Jahr später folgten dann ebenfalls die Christdemokraten.