Rom. Nach dem Rücktritt von Parteichef Luigi Di Maio am Mittwoch rätselt Italiens Regierungspartei Fünf Sterne über ihre Zukunft. Interimschef Vito Crimi hat mit der Planung des vom 13. bis zum 15. März in Turin geplanten Parteitags begonnen. Dabei will sich die im Parlament stärkste italienische Partei eine neue Struktur geben.

Noch unklar ist, ob ein neuer Vorsitzender gewählt wird, oder ob ein mehrköpfiges Gremium die Leitung der "Cinque Stelle" übernimmt. Sollten sich die Parteiaktivisten für einen neuen "Capo politico" anstelle Di Maios entscheiden, könnte Crimi, Staatssekretär im Innenministerium, weiterhin im Sattel bleiben. Als weitere mögliche Kandidaten gelten Industrieminister Stefano Patuanelli und Vize-Industrieminister Stefano Buffagni.

 

"Schluss mit Parteichefs!"

Sollte sich die Bewegung für eine Frau als Parteichefin entscheiden, gilt die seit 2016 amtierende Bürgermeisterin von Turin, Chiara Appendino, als aussichtsreiche Kandidatin. Nicht ausgeschlossen wird jedoch, dass die Bewegung ein Parteigremium an ihre Spitze setzen könnte. "Mit Di Maios Rücktritt ist eine Ära zu Ende gegangen. Schluss mit Parteichefs, wir brauchen eine kollegiale Führung", betonte der Fünf Sterne-Deputierte Luigi Gallo.

"Unsere Partei ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hat sich geändert. Wir brauchen ein kollegiales Führungssystem zur Bewältigung der Herausforderungen, die uns bevorstehen", kommentierte der Präsident der Abgeordnetenkammer und Fünf Sterne-Spitzenpolitiker Roberto Fico.

Bewegung in der Krise

Kritiker in den eigenen Reihen warfen Di Maio vor, sich nur auf einen kleinen Kreis aus Beratern gestützt und sich bei wichtigen Beschlüssen keinen Rat von den Parteikollegen eingeholt zu haben. Mit einem Parteigremium könnten jetzt Beschlüsse kollegial getroffen werden. Di Maio war beschuldigt worden, in seiner Rolle als Außenminister der Partei zu wenig Zeit gewidmet zu haben.

Die Fünf-Sterne-Bewegung, die stärkste italienische Regierungspartei, ist seit Monaten mit Schwierigkeiten konfrontiert. Seit der Parlamentswahl im März 2018 haben mehr als 30 Abgeordnete der "Cinque Stelle" in Abgeordnetenkammer und Senat die Fraktionen verlassen. Die Vier-Parteien-Koalition, die die zweite Regierung Conte unterstützt, verfügt formal nur noch über 159 der 321 Sitze im Senat und hat keine eigene Mehrheit mehr. Die Regierung, die in beiden Kammern eine Mehrheit braucht, stützt sich nun auf eine kleine Zahl von Senatoren, die unabhängig sind oder einer Minderheitspartei angehören. (apa)