Der intensive Wahlkampf war nicht vom erhofften Erfolg gekrönt. Matteo Salvinis Wunsch, seine rechtspopulistische Lega beim Regionalvotum in der Emilia-Romagna zur Wahlsiegerin zu machen - und damit seiner Forderung nach einer vorgezogenen Parlamentswahl Vorschub zu leisten -, ging nicht auf. Stattdessen gewann Gouverneur Stefano Bonaccini von der Demokratischen Partei PD. Nach Auszählung fast aller Stimmen kam er auf 51,4 Prozent, die Kandidatin der Lega auf 43,7 Prozent, wie das Innenministerium am Montag angab.

Zwar konnten sich Mitte-Rechts-Parteien in Kalabrien, wo ebenfalls am Sonntag abgestimmt wurde, über den Sieg ihrer Kandidatin Jose Santelli freuen. Doch war es die Emilia-Romagna, in der Salvini seinen Triumph vom Oktober wiederholen wollte. Damals konnte er in Umbrien die 50-jährige Herrschaft der Linken beenden. Das gelang ihm nun nicht. In der Region Emilia-Romagna im Nordosten des Landes um die Hauptstadt Bologna, die eine der reichsten Italiens und Heimat des Autobauers Ferrari sowie Ursprungsort von Parma-Schinken und Parmesan-Käse ist, blieben die Sozialdemokraten vorne.

Die Kampagne hatte die Menschen mobilisiert: Zwei Drittel der 3,5 Millionen Wahlberechtigten gingen zu den Urnen. Die Beteiligung war damit fast doppelt so hoch wie beim vergangenen Regionalvotum vor fünf Jahren.

"Sardinen" als Partei?

Ihren Teil dazu hat wohl die Opposition der "Sardinen" beigetragen. Die Anti-Populisten-Bewegung, die im November entstanden war, um den Durchbruch der Lega in der Region zu stoppen, hatte in den vergangenen Monaten zehntausende Menschen auf die Straße gebracht, um gegen Rechtspopulismus zu protestieren. Mittlerweile schließen die sich im Aufwind wähnenden Sardinen die Umwandlung in eine Partei nicht aus. Für Mitte März planen sie einen zweitägigen Kongress in Scampia, einem Vorstadtviertel Neapels.

Zur selben Zeit wollen in der italienischen Hauptstadt Vertreter der Fünf-Sterne-Bewegung zusammen kommen, die gemeinsam mit den Sozialdemokraten die Regierung in Rom bilden. Sie wollen über eine neue Führungsstruktur entscheiden, nachdem Vorsitzender Luigi Di Maio in der Vorwoche zurückgetreten ist. Sein Amt des Außenministers will er aber behalten.

Das Abschneiden der tief zerstrittenen Bewegung wurde denn auch bei den Regionalwahlen genau beobachtet. Die Fünf Sterne, die aus der Parlamentswahl 2018 noch als stärkste Kraft hervorgegangen sind, verlieren seitdem massiv an Zustimmung. Ihr Kandidat in der Emilia Romagna schaffte es gerade einmal auf fünf Prozent der Stimmen.

Wackelige Koalition

Die Konsequenz daraus dürfte Di Maio im Vorhinein gezogen haben. Sein Rückzug von der Spitze der populistischen Partei zeigt aber auch die Zerbrechlichkeit der Regierungskoalition, die nur eine hauchdünne Mehrheit hat.

Nach dem Sieg der Sozialdemokraten in Norditalien kann das Kabinett von Premier Giuseppe Conte zwar etwas durchatmen und die Umsetzung der Regierungsagenda planen, zu der eine Reform des Steuersystems sowie die Einführung eines gesetzlich festgelegten Mindestlohns gehören. Doch bleibt die Balance der Koalition wackelig - und die Rechtspopulisten genießen weiter hohe Popularität.(reu/apa/czar)