Ein langes Schweigen. Das war laut deutschen Medien die Reaktion der anwesenden, führenden CDU-Politiker, als Annegret Kramp-Karrenbauer (alias AKK) bei der Präsidiumssitzung mitteilte, dass sie den Partievorsitz abgeben und auf eine Kanzlerkandidatur verzichten würde. Ihr Schritt kam offenbar überraschend. Dabei stand sie schon lange schwer in der Kritik.

Immer wieder hatte sie politisches Geschick vermissen lassen. Sie wurde Verteidigungsministerin – obwohl sie vorher vorschnell beteuert hatte, kein Ministeramt anzustreben. Sie hatte bei einer Faschingsveranstaltung einen Witz über Toiletten für intergeschlechtliche Menschen gemacht – und unterschätzt, welche Wellen der Empörung sie damit auslösen würde.

Vor allem aber hatte sie offenbar nie eine große Autorität in der Partei. Sie war Kanzlerin Merkels Kandidatin und oft schien es, dass konservative Kräfte in der Partei, denen die CDU unter Angela Merkel viel zu sehr in die Mitte gerückt ist, sie stellvertretend angriffen. Das war der bequemere Weg, als sich mit der Bundeskanzlerin selbst anzulegen.

Vollends zeigte sich AKKs mangelndes Durchsetzungsvermögen dann in Thüringen. Nachdem dort die CDU gemeinsam mit der AfD den FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt hatte, eilte AKK nach Erfurt¸ um die thüringische CDU-Fraktion dazu zu bewegen, Neuwahlen zuzustimmen. Dem Landeschef Mike Mohring legte sie den Rücktritt nahe. Sie setzte sich damit aber nicht durch.

Schwenk nach rechts?

Dass AKK nicht durchgreifen konnte, lag aber nicht nur an ihr selbst. Vielmehr spiegelte das auch die Zerrissenheit der Partei wider. Nach mehr als 14 Regierungsjahren unter Merkel ringt die CDU um ihre Linie. Konservative Vertreter wie etwa die Werteunion verlangen einen Schwenk nach rechts und wollen so einstige Wähler wiedergewinnen, die zur AfD oder FDP abgewandert sind oder in das Lager der Nichtwähler gewechselt haben. Moderatere Kräfte sehen einen derartigen Rechtskurs nicht als mehrheitsfähig an und wollen die Mitte-Politik von Merkel fortsetzen, welche für die Partei Koalitionen bis hin zu den Grünen möglich und denkbar gemacht hat.

Dieser Richtungsstreit wird erbittert geführt. Ihn zu lösen und die Partei wieder stärker zu einen, wird die dringlichste und wohl auch schwierigste Aufgabe des oder der neuen Vorsitzenden werden.