Der Kandidat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für das Pariser Rathaus hat rund einen Monat vor den Wahlen seinen Rückzug erklärt. "Seit mehr als einem Jahr sind meine Familie und ich verleumderischen Aussagen, Lügen, Gerüchten, anonymen Angriffen (...) und Morddrohungen ausgesetzt", sagte Benjamin Griveaux am Freitag dem Sender BFMTV.

Der 42-Jährige wolle dies seiner Familie nicht länger zumuten. Dass Fass zum Überlaufen habe die Veröffentlichung eines Videos sexueller Natur gebracht, das dem verheirateten Vater von drei Kindern zugeschrieben wurde. "Eine Website und soziale Netzwerke haben abscheuliche Angriffe auf meine Privatsphäre verbreitet", sagte Griveaux. Die online verbreiteten Aufnahmen sollen explizite Nachrichten ("Sexting") und Videos des Politikers an eine andere Frau dokumentieren.

Bevor sie in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden, tauchten die Nachrichten bereits Anfang Februar auf der Internet-Seite des russischen Aktivisten Piotr Pawlenski auf, der in seiner Heimat als Regimekritiker bekannt ist und auch in Frankreich immer wieder mit poltischem Aktionismus auf sich aufmerksam gemacht hat. Pawlenski meinte, er habe offenbaren wollen, dass Griveaux scheinheilig agiere: Dieser behaupte, er wolle der "Bürgermeister der Familien" sein. Doch das Bild vom perfekten Vater und Ehemann, das der Politiker von sich selbst zeichne, entspreche nicht der Wirklichkeit.

Griveaux gilt als Vertrauter von Staatschef Macron. Er war im vergangenen Jahr als Regierungssprecher zurückgetreten, um das Pariser Rathaus zu erobern. Die Präsidentenpartei La République en Marche (LREM) ist bei den Wahlen in Paris allerdings gespalten: Auch der Mathematiker Cédric Villani aus Macrons Lager kandidiert - gegen den Willen des Präsidenten. Das schmälerte die Chancen des offiziellen Kandidaten Griveaux massiv. In Umfragen lag Griveaux zuletzt an dritter Stelle - hinter der sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo und der konservativen Ex-Ministerin Rachida Dati.

Die erste Runde der Kommunalwahlen findet am 15. März statt. Die Hauptstadt hat wegen ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung einen kaum zu überschätzenden Symbolcharakter. Im Rathaus mit Seine-Blick hat derzeit die Sozialistin Hidalgo das Sagen. (apa/red)