Wien/Budapest. Der Außenminister in Athen, der Innenminister an der Grenze zu Ungarn: Auch Österreichs Regierungsvertreter schalten sich in die Krisendiplomatie rund um die Flüchtlingssituation an der türkisch-griechischen Grenze ein. So planten nicht nur die Spitzenpolitiker der EU-Institutionen Kommission, Rat und Parlament für den heutigen Dienstag einen Besuch in Athen ein. Der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg wollte ebenfalls dorthin reisen.

In Wien wird er an einer Arbeitssitzung mit Kanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler, Innenminister Karl Nehammer und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner teilnehmen, bei dem auch ein Maßnahmenpaket erarbeitet werden soll. Nehammer traf bereits am Montag mit seinem ungarischen Amtskollegen Sandor Pinter an der Grenze in Nickelsdorf zusammen. Österreich wolle Griechenland und die anderen von Migration betroffenen Balkanländer "personell, materiell und finanziell" unterstützen, deklarierte der Innenminister. Eine Gruppe österreichischer Polizisten und zwei Hundeführer mit ihren Tieren sollen künftig ihren Dienst an der Grenze mit dem Nachbarland versehen.

Schon bei der Schließung der sogenannten Balkanroute vor vier Jahren haben Österreich und Ungarn - gemeinsam mit Slowenien, Kroatien, Serbien und Nordmazedonien - eng zusammengearbeitet. Jetzt warnt in Budapest Premierminister Viktor Orban vor einem neuerlichen "Massenansturm auf Ungarns Grenzen", deren Schutz Priorität habe.

In Wien wird ebenfalls in erster Linie davon gesprochen - auch wenn Grünen-Klubchefin Sigrid Maurer keinen Anlass sieht, den zwischen ÖVP und Grünen vereinbarten Krisenmechanismus auszulösen, der Beschlüsse zur Grenzsicherung ohne Einverständnis des Koalitionspartners erlaubte. Unterdessen mahnt das UN-Flüchtlingshochkommissariat, nicht nur solche Maßnahmen zu ergreifen. Vielmehr seien ein funktionierendes europäisches Asylsystem, mehr humanitäre Hilfe für die Erstaufnahmeländer sowie legale Zuwanderungswege nötig, sagte Christoph Pinter, Leiter von UNHCR Österreich.

Kogler: "Frauen und Kinder herausholen"

Auch Vizekanzler Werner Kogler hat mehrere Vorschläge parat. Im Gespräch mit der Austria Presseagentur sprach er sich zum einen für eine Soforthilfe für die Krisenregion im Nordwesten Syriens aus, zum anderen fordern er und die Grünen die Schaffung menschenwürdiger Bedingungen für die Migranten auf den griechischen Inseln. "Wenn das nicht gelingt, sind wir dafür, Frauen und Kinder herauszuholen", erklärte Kogler.

Doch hat die EU-Grenzschutzagentur Frontex erst einmal einen sogenannten Soforteinsatz in Griechenland gebilligt, um den Athen ersucht hatte. Dafür hat die Behörde einen Reservepool von bis zu 1500 Grenzschützern, die von den Mitgliedstaaten gestellt werden. Die Beamten sollen binnen fünf Tagen vor Ort sein. Sobald sich Frontex mit Griechenland auf einen Plan geeinigt habe, werde sich die Behörde nach eigenen Angaben an die Staaten wenden, die das Personal zur Verfügung stellen sollen.(apa/czar)