Während die österreichische Regierung noch um einen gemeinsamen Kurs in der aktuellen Flüchtlingspolitik ringt und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zu Gesprächen mit der EU-Spitze nach Brüssel aufgebrochen ist, hat Deutschland sich zur Aufnahme von bis zu 1500 besonders schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen aus den überfüllten Lagern in Griechenland bekannt. Deutschland sei bereit, im Rahmen einer "Koalition der Willigen" auf europäischer Ebene "einen angemessenen Anteil" zu übernehmen, heißt es in dem Beschluss des deutschen Koalitionsausschusses.

"Deswegen wollen wir Griechenland bei der schwierigen humanitären Lage von etwa 1000 bis 1500 Kindern auf den griechischen Inseln unterstützen", heißt es im Papier weiter. Es handle sich dabei um Kinder, die entweder wegen einer schweren Erkrankung dringend behandlungsbedürftig oder aber unbegleitet und jünger als 14 Jahre alt sind, die meisten davon Mädchen.

Meinungsverschiedenheiten bei Türkis-Grün

In Österreich bleiben die Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage indessen auch nach dem Wochenende bestehen. Dass die türkis-grüne Koalition daran scheitern könnte, glauben aber weder Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) noch die Grüne Klubobfrau Sigrid Maurer, wie diese in der ORF-Sendung "Im Zentrum" am Sonntagabend versicherten. Zuvor hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Sonntag neuerlich bekräftigt, keine zusätzlichen Flüchtlinge in Österreich aufnehmen zu wollen. "Wer Frauen und Kinder aufnimmt, nimmt genauso die Väter und die Männer auf", sagte Kurz. Auch er sieht die Koalition mit den Grünen dennoch nicht gefährdet.

Gespannte Ruhe an der Grenze

Mit Spannung erwartet wird indessen der Besuch Erdogans am Montagabend in Brüssel. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef Charles Michel dürften bei dem Treffen (18.00 Uhr) darauf dringen, dass die Türkei sich wieder an das gemeinsame Flüchtlingsabkommen von 2016 hält. Erdogan hatte am 29. Februar erklärt, die Grenze zur EU sei für Migranten offen. Tausende Menschen machten sich daraufhin auf den Weg Richtung EU.

Anders als in der vergangenen Woche war es in der Nacht auf Montag am griechisch-türkischen Grenzübergang Kastanies aber verhältnismäßig ruhig geblieben. Dies berichteten der staatliche griechische Rundfunk (ERT) und andere griechische Medien am Montagmorgen unter Berufung auf die Polizei.

Am Wochenende hätten griechische Sicherheitskräfte etwa 2150 Menschen daran gehindert, den Grenzfluss Evros zu überqueren oder einen Zaun am Grenzübergang von Kastanies/Pazarkule zu überwinden und damit in die EU zu kommen, hieß es weiter. Die Polizei habe zudem 14 Menschen festgenommen, die es geschafft hätten, griechischen Boden zu erreichen.

Die griechische Polizei hatte auch am Wochenende mehrfach Tränengas und Blendgranaten eingesetzt, um größere Migrantengruppen daran zu hindern, den Grenzposten Kastanies zu durchbrechen.

Auf den Inseln im Osten der Ägäis sind am Wochenende nach offiziellen Angaben kaum Migranten angekommen. Lediglich 17 Menschen setzten demnach mit einem Schlauchboot aus der Türkei zur griechischen Insel Kos über. (apa/dpa/Reuters/red)