Trotz zunehmender Infektionszahlen hat die Lombardei einen Erfolg zu verbuchen. Am Dienstag wurden erstmals keine neuen Coronavirus-Infektionsfälle in der lombardischen Ortschaft Codogno registriert. Hier war am 21. Februar der erste Infektionsfall gemeldet worden.

"Wir sind über dieses Resultat besonders glücklich. Wir sind verantwortungsvoll unter zweiwöchiger Quarantäne gestanden und jetzt sieht man die Resultate, die wir uns erhofft haben. Wenn wir uns geschlossen an die Regierungsvorschriften halten, werden wir diese Krise in ein paar Wochen überwunden haben", sagte der Bürgermeister von Codogno, Francesco Passerini, nach Medienangaben.

Der "Patient 0", der erste am Coronavirus infizierte Italiener, wurde am Montag nach 18 Tagen aus der Intensivstation des Krankenhauses der lombardischen Stadt Pavia entlassen und atmet selbstständig. Er war mit seiner im achten Monat schwangeren Frau ins Spital eingeliefert worden, die inzwischen genesen ist.

Unklar, wer Virus eingeschleppt hat

Auch ein Freund, mit dem der nur mit dem Vorname Mattia bekannte "Patient 0" Fußball spielte, mehrere Stammgäste eines Lokals, das der Familie des Freundes gehört, sowie Ärzte und Patienten des Krankenhauses von Codogno hatten sich bei ihm angesteckt. Wer das Virus eingeschleppt hat, ist weiter unklar. Die ganze Gemeinde Codogno musste wie andere neun Kommunen der lombardischen Provinz Lodi unter Quarantäne gestellt werden, die erst am Sonntag aufgehoben wurde. Inzwischen wurde ganz Italien zur Sperrzone erklärt.

Derweil stellten Wissenschaftler fest, dass die Coronavirus-Epidemie in Italien nicht direkt mit China verbunden ist. Laut einer Studie von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut ISS hatten die ersten, in Codogno infizierten Patienten keine Kontakte zu China. Ein Rätsel bleibt daher weiterhin, wie sich das Coronavirus in der Lombardei und in Venetien entwickelt haben könnte.

Die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien steigt trotz rigider Quarantänemaßnahmen rasant: 631 Todesopfer wurden am Dienstag in Italien gemeldet, das sind 168 mehr als am Vortag. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 8.514, am Vortag waren es noch 7.985. 1.004 Patienten sind inzwischen genesen.

Erstmals italienischer Parlamentarier infiziert

Zum ersten Mal ist ein italienischer Parlamentarier positiv auf das Coronavirus getestet worden. Dabei handelt es sich um Claudio Pedrazzini, Parlamentarier aus der lombardischen Provinz Lodi, in der die Coronavirus-Epidemie in Italien ausgebrochen ist.

Die Parlamentarier, die wie Pedrazzini der gemischten Fraktion angehören, wurden aufgerufen, sich Kontrollen zu unterziehen. "Mir geht es gut, ich habe nur ein wenig Fieber", sagte der Abgeordnete, der jetzt unter Quarantäne steht, laut Medienangaben.

In Italien haben sich mehrere Politiker nachweislich infiziert. Neben dem Präsidenten der Region Piemont, Alberto Cirio, und dem Chef der Armee, General Salvatore Farina, ist auch der Parteichef der in Rom mitregierenden Sozialdemokraten, Nicola Zingaretti, darunter. Es gehe ihm gut, er müsse aber zunächst zu Hause in Quarantäne bleiben, erklärte der 54-Jährige in einem Video bei Facebook am Samstag. Ende Februar hatte der Politiker sich noch in Mailand in der schwer betroffenen Region Lombardei demonstrativ beim Aperitif gezeigt und betont, Panik sei fehl am Platz. (apa)