Der deutsche Innenminister Horst Seehofer hält trotz der Einreisebeschränkungen an seiner Zusage fest, eine begrenzte Zahl minderjähriger Flüchtlinge aus den griechischen Lagern aufzunehmen. "Wir haben zugesagt, dass wir uns bei der Aufnahme beteiligen", sagte Seehofer dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Dazu stehen wir."

Wegen der Corona-Pandemie hatte sein Ministerium angeordnet, dass Ausländer in der Regel nicht mehr nach Deutschland einreisen dürfen. Ausgenommen ist dem Bericht zufolge jedoch die Aufnahme jener besonders schutzbedürftigen Kinder, auf die sich Deutschland und EU-Staaten wie Frankreich, Irland, Portugal und Finnland Mitte März geeinigt hatte. "Das Heft des Handelns liegt jetzt bei der Kommission", sagt Seehofer mit Blick auf Brüssel.

"Keine Überforderung"

Nach den Plänen sollen insgesamt 1600 Flüchtlinge aus den griechischen Lagern geholt werden. Deutschland will vor allem kranke Kinder und ihre Familien aufnehmen, Mädchen unter 14 Jahren sollen besonders berücksichtigt werden. Für Österreich hat Bundeskanzler, ÖVP-Chef Sebastian Kurz eine Aufnahme abgelehnt. Vertreter des Grünen Koalitionspartners haben sich im Gegensatz dazu dafür ausgesprochen.

Unterstützt wird das Vorhaben Seehofers in Deutschland vom niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD). Dass Seehofer seine Zusage bekräftige, begrüße er außerordentlich, sagte Pistorius dem "Spiegel". Es überfordere Deutschland nicht, soweit dabei Vorsichtsmaßnahmen getroffen würden. "Die Kinder brauchen unsere Hilfe, die Situation in diesen Lagern ist um ein Vielfaches schlimmer, als wir uns vorstellen können." (apa, afp)