London. Wegen der Corona-Krise verhängt Großbritannien eine mindestens dreiwöchige Ausgangssperre. Das erklärte Premierminister Boris Johnson am Montagabend in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die Nation. Die Maßnahmen würden noch am Montagabend in Kraft treten. 

Johnson wies seine Landsleute an, das Haus nur noch so wenig wie möglich zu verlassen. "Von heute Abend an muss ich dem britischen Volk eine einfache Anordnung geben: Sie müssen zuhause bleiben". Alle Geschäfte - mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Apotheken - sowie Bibliotheken und Gebetshäuser würden geschlossen. Große Familienfeiern wie Hochzeiten würden untersagt. Treffen von mehr als zwei Personen, die nicht zum selben Haushalt gehören, würden verboten. Den Briten sei der Ausgang nur noch erlaubt, um Lebensmittel einzukaufen, sich zur Arbeit zu begeben, zum Arzt zu gehen oder Sport zu treiben. Sportliche Aktivitäten sind nur noch einmal am Tag und nur gemeinsam mit Mitgliedern desselben Haushalts erlaubt. Versammlungen von mehr als zwei Personen seien nicht mehr erlaubt und würden von der Polizei aufgelöst.

Ausflüge und überfüllte U-Bahnen

Bisher hatte sich die Regierung in London mit Zwangsmaßnahmen stark zurückgehalten. Erst nach langem Zögern wurden Ende vergangener Woche Schulen, Pubs und Restaurants geschlossen. Am Wochenende hatten unzählige Briten das schöne Wetter für Ausflüge in städtischen Parks und Erholungsgebiete genutzt - zu viele, um den notwendigen Abstand einhalten zu können. Das BBC-Fernsehen zeigte noch am Montag Bilder von überfüllten U-Bahnen in London.

Die Zahl der Toten durch die vom Coronavirus hervorgerufene Lungenkrankheit Covid-19 in dem Land stieg am Montag unterdessen um 46 auf 303. Kritiker der Regierung fordern seit langem schärfere Maßnahmen, um den Ausbruch einzudämmen. Sie fürchten, Großbritannien könnte noch härter getroffen werden als Italien, sollte der chronisch unterfinanzierte Nationale Gesundheitsdienst NHS unter der Last der Epidemie zusammenbrechen. (apa, Reuters)