Russland stellt am Freitag den zivilen Flugverkehr ein. Die russische Regierung gab am Donnerstagfrüh auf ihrer Homepage bekannt, dass alle Linien- und Charterflüge von und nach Russland ausgesetzt werden. Fluglinien des Landes dürfen nur noch ins Ausland fliegen, um russische Bürger nach Hause zu bringen oder nach einer Sondergenehmigung der Regierung. Nicht betroffen von der Regelung sind Inlandsflüge.

Der Flugverkehr war zuletzt bereits deutlich zusammengestrichen worden. So flog die Fluggesellschaft Aeroflot lediglich noch Berlin an.

Ausgangssperre für ältere Moskauer

Außerdem müssen in der russischen Hauptstadt Moskau ab heute fast 1,9 Millionen ältere und kranke Menschen wegen des Coronavirus zu Hause bleiben. Die Ausgangssperre gilt nach Angaben der Stadtverwaltung für gut drei Wochen. Davon betroffen sind Einwohner der Millionenmetropole, die älter als 65 Jahre oder chronisch krank sind.

"In Geschäfte oder die Apotheke sollte man nur gehen, wenn es nötig ist", sagte Bürgermeister Sergej Sobjanin. Erlaubt ist dies aber nur mit Atemschutzmaske.

Die Betroffenen erhalten demnach insgesamt 4.000 Rubel (47,17 Euro), wenn sie sich an die Auflagen halten. Die Stadt richtete eine Hotline für einen Lieferdienst ein, wenn Medikamente, Lebensmittel oder Hilfe benötigt werden. "Das Beste, was man machen kann, ist zu seiner Datsche zu fahren, besonders weil es warm werden soll", meinte Sobjanin. Die Menschen in den kleinen Häuschen auf dem Land sollten mit Holz und Kohle versorgt werden.

Kommende Woche arbeitsfrei

Die Ausgangssperre betrifft auch viele Ältere, die noch arbeiten gehen, weil die Rente zu niedrig ist. Erlaubt sind nur Tätigkeiten, wenn sie etwa für Behörden wichtig sind. Präsident Wladimir Putin (67) hatte die kommende Woche als arbeitsfrei erklärt, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen - eine flächendeckende Kontaktsperre gibt es aber bisher nicht.

Russland hat nach offizieller Darstellung vergleichsweise wenige Corona-Fälle. Am Mittwoch waren offiziell 658 Infektionen im flächenmäßig größten Land der Erde bekannt - 410 davon in Moskau. Das Virus war bisher bei drei gestorbenen Menschen nachgewiesen worden. Die geringe Zahl hängt auch damit zusammen, dass es bisher kaum Tests auf das neuartige Virus gab.

Putin verschiebt Referendum

Das für den 22. April geplante Referendum über eine Verfassungsänderung in Russland wird nach den Worten von Präsident Wladimir Putin wegen der Virus-Krise verschoben. Über einen neuen Termin werde nach Rücksprache mit Medizinern entschieden, kündigte Putin am Mittwoch in einer Fernsehansprache an. "Die absolute Priorität für uns ist die Gesundheit, das Leben und die Sicherheit der Menschen", sagte er. "Deshalb bin ich der Meinung, dass die Abstimmung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden sollte."

Durch das Referendum sollen weitreichende Änderungen des politischen Systems vollzogen werden, durch die der 67-jährige Kremlchef bis 2036 an der Macht bleiben könnte. Parlament und Verfassungsgericht hatten den Plänen bereits zugestimmt. Kritiker haben die vorgeschlagenen Änderungen mit einem Verfassungscoup verglichen und als illegal bezeichnet.

Putin äußerte sich auch zur Virus-Krise. "Wir sehen, wie stark sich die Coronavirus-Epidemie in der Welt entwickelt, in vielen Ländern steigt die Zahl der Fälle weiter, die gesamte Weltwirtschaft ist bedroht", sagte er. Aufgrund der Größe Russlands sei es unvermeidbar, dass sich das Virus auch hier ausbreite. (apa, reuters, dpa)