Die EU-Kommission hat die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, die Freizügigkeit von Saisonarbeitskräften während der Corona-Krise nicht einzuschränken. Die Einführung von Grenzkontrollen zur Eindämmung der Pandemie sei "verständlich", erklärte die Behörde am Montag.

"Doch müssen systemrelevante Arbeitskräfte ihr Ziel trotzdem unbedingt ohne Zeitverlust erreichen können." Erntehelfer müssten in der Krise wie auch etwa medizinisches Personal, Sicherheitskräfte und Arbeitskräfte im Verkehrssektor als systemrelevant eingestuft werden, fügte eine Kommissionssprecherin hinzu.

Grenzkontrollen und Einreisebeschränkunge

Viele EU-Länder haben seit Beginn der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Europa Grenzkontrollen und Einreisebeschränkungen eingeführt. Die deutsche Bundesregierung hatte vergangene Woche ein vorübergehendes Einreiseverbot für Erntehelfer erlassen, was die Landwirtschaft vor erhebliche Probleme stellt. Die EU-Kommission veröffentlichte nun Leitlinien, um den Warenverkehr, die Gesundheitssysteme und die Versorgung mit Lebensmitteln im europäischen Binnenmarkt zu gewährleisten. In Österreich hat das Landwirtschaftsministerium eine Online-Plattforum zur Arbeitskräftevermittlung für Bauern und die Lebensmittelindustrie gestartet.

Über den Bedarf an Saisonarbeitskräften, insbesondere in der Landwirtschaft, sollen die Mitgliedstaaten sich laut Kommission untereinander austauschen und "spezifische Verfahren" entwickeln, "um auf den krisenbedingten Arbeitskräftemangel zu reagieren". Die Behörde forderte außerdem, dass auch nicht als systemrelevant eingestufte Arbeitskräfte generell für ihre Arbeit die EU-Innengrenzen überschreiten dürfen sollten. "Die Mitgliedstaaten sollten Grenzgänger und einheimische Arbeitskräfte gleichbehandeln", erklärte die Kommission.

Pflegebetreuer aus Rumänien und Bulgarien

Währenddessen wurde bekannt, dass am Montagnachmittag 231 vorwiegend weibliche Pflegebetreuer aus Rumänien und Bulgarien auf dem Flughafen Wien in Schwechat angekommen sind. Sie sollen in der Corona-Krise laut dem Land Niederösterreich und der Wirtschaftskammer (WKNÖ) einem Mangel bei 24-Stunden-Betreuern vorbauen.

Die Montagfrüh nach Temeswar und Sofia losgeschickten Maschinen - ein Airbus 321 und ein Airbus 319 der Austrian Airlines - landeten am frühen Nachmittag in einem Abstand von knapp 30 Minuten in Schwechat. An Bord waren auch Heimkehrer, sagte Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) zur APA.

Für die eingeflogenen Betreuerinnen ging es nach der Ankunft mit Autobussen in eine 14-tägige Quarantäne in Niederösterreich. Auf dem Flughafen wurden zuvor Körpertemperaturmessungen vorgenommen.

Überwiegend in Niederösterreich tätig

Die 231 Betreuer werden laut Robert Pozdena, Obmann der Personenbetreuer in der WKNÖ, überwiegend in Niederösterreich tätig werden. "Zehn bis zwölf" seien auch für andere Bundesländer vorgesehen. Pozdena berichtete zudem von "Stornos". Einige wenige Betreuerinnen, die nach Österreich reisen wollten, hätten ihre Wohnorte in Bulgarien trotz entsprechender Papiere nicht verlassen dürfen.

Niederösterreich wolle gut vorbereitet sein auf alles, was noch komme, sagte Teschl-Hofmeister. Es gebe im Bundesland aktuell keine Krise in der 24-Stunden-Betreuung. Die am Dienstag eingeflogenen Betreuerinnen sollen "motiviert werden, so lange wie möglich zu bleiben, zumindest vier bis sechs Wochen", so die Landesrätin. (apa)