In Italien, Spanien und Frankreich keimt schrittweise Hoffnung auf. Der Anstieg der Todesfälle in den am schwersten von der Corona-Pandemie getroffenen Ländern Europas schwächt sich spürbar ab. Italien meldete zuletzt die niedrigste Zunahme seit mehr als zwei Wochen. In Spanien ging die Zahl der neu gemeldeten Todesfälle den dritten Tag in Folge zurück, während Frankreich immerhin den niedrigsten Anstieg seit einer Woche registriert. In Italien ist die Zahl der Coronavirus-Toten am Sonntag innerhalb von 24 Stunden konkret um 525 auf insgesamt 15.887 gestiegen - der niedrigste Tageswert seit dem 19. März.

Matura nur mündlich?

Trotzdem ist man in unserem südlichen Nachbarland enorm vorsichtig, was eine mögliche Rückkehr zur Normalität betrifft. Die allmähliche Besserung der Lage soll nicht voreilig wieder in Gefahr gebracht werden. Man wartet ab - und sucht nach Notlösungen.

So erwägt die Regierung in Rom, Schulen erst im September wieder zu öffnen. Sollte die Epidemiegefahr weiter bestehen, werde man sich wohl oder übel zu dieser Maßnahme entschließen müssen, hieß es. "Die Schulen werden wieder geöffnet, sobald wir die Gewissheit haben, dass unsere Kinder sicher sind", ist Bildungsministerin Lucia Azzolina um Klarstellung bemüht.

Öffnen die Schulen in Italien bis zum 18. Mai wieder, könnte die für 17. Juni angesetzte Zentralmatura wie geplant abgehalten werden. Die Prüfungen würden in diesem Fall von internen Kommissionen organisiert werden. Öffnen die Schulen bis zum 18. Mai dagegen nicht, soll die Matura trotzdem stattfinden: allerdings nur mündlich und möglicherweise online. Diese improvisierte Prüfung soll mindestens eine Stunde lang dauern und nur die wichtigsten Fächer betreffen.

Während Österreich auf die Abhaltung der Matura nicht verzichten wird, haben Frankreich und Großbritannien ihre traditionsreichen schriftlichen Abschlussprüfungen wegen der Infektionsgefahr kurzerhand gestrichen. Die "A-Levels" in Großbritannien und das "Bac" (Baccalaureat) in Frankreich würden auf Basis bisheriger schulischer Leistungen vergeben, hieß es.

Das "Bac" hätte Mitte Juni stattfinden sollen. Stattdessen werden unter anderem die bereits in der vorletzten Klasse abgehaltenen Maturateile im Fach Französisch für die Beurteilung herangezogen. Wer aus diesem Grund eine negative Note erhält, kann im September zu Prüfungen antreten. Die A-Level-Prüfungen hätten Mitte Mai beginnen sollen. An ihre Stelle sollen "faire, objektive und sorgfältig überlegte" Einschätzungen der Schulen treten. Diese Bewertungen sollen widerspiegeln, "welche Noten die Schüler am wahrscheinlichsten erhalten hätten, wenn sie die Prüfungen abgelegt hätten", heißt es hier etwas ominös.

Nach wie vor auf eine reguläre Abhaltung des Abiturs setzt Deutschland, wo die Reifeprüfungen allerdings von den einzelnen Bundesländern organisiert werden. In manchen Ländern haben die Prüfungen und Tests in den vergangenen Wochen bereits stattgefunden, in anderen stehen sie nach den Osterferien auf dem Programm. Bayern und Baden-Württemberg wollen zeitgleich mit Österreich in der Woche ab 18. Mai prüfen. Wieder andere Länder wie Bremen und Sachsen-Anhalt stellen Schülern zwei mögliche Termine zur Auswahl.

Not macht erfinderisch

Geschäfte, Restaurants und andere Einrichtungen sind in Deutschland wie in Österreich, Italien, Spanien und Frankreich geschlossen. In Deutschland ist es möglich, dass die Shops ab Montag, den 20. April, in halbwegs gewohntem Umfang wieder geöffnet haben. Wann der "Lockdown" in Italien zu Ende gehen wird, konnte Premier Giuseppe Conte zuletzt nicht sagen. In Spanien werden die Geschäfte frühestens ab Ostern wieder schrittweise öffnen.

Die großen Wirtschaftsverbände in Deutschland warnen jedenfalls davor, die Grenzkontrollen in Europa auszuweiten - wie das jetzt diskutiert wird. In diesem Fall könnte es zu Versorgungsengpässen kommen, so die Befürchtungen. Um die allgemeine Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln aufrechterhalten zu können, sei es unerlässlich, "die Grenzen innerhalb der EU offenzuhalten", so der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied.

In einigen Branchen ist man damit beschäftigt, aus der Not eine Tugend zu machen. So ist die von Corona heftig gebeutelte deutsche Hotellerie dabei, ihre Zimmer mit einem neuen Geschäftsmodell zu vermieten. Betriebe bieten ihre Räume "als Alternative zum Homeoffice" an, wie der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Berlin bestätigte. "Wenn Ihnen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt und produktives Arbeiten schwer fällt, bieten wir in unseren Hotels eine perfekte Alternative", wirbt das Unternehmen "Welcome Hotels". Auch die Hotelkette Achat preist ihre Zimmer als "Einzelbüros" an.