Deutschland wird voraussichtlich in der kommenden Woche die ersten 50 unbegleiteten Minderjährigen aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufnehmen. Das entschied die Regierung am Mittwoch in Berlin.

Die ersten zwei Wochen nach der Einreise werden sie in Corona-Quarantäne im nördlichen Bundesland Niedersachsen verbringen. Anschließend sollen sie auf mehrere Bundesländer verteilt werden.

Deutschland will in nächster Zeit noch mehr Minderjährige aus Griechenland aufnehmen. Die Regierungskoalition hatte im März beschlossen, im Rahmen der EU-Partner Griechenland einen Anteil von insgesamt etwa 1.000 bis 1.500 Kindern nach Deutschland zu holen und zu betreuen. Es handelt sich laut dem Koalitionsbeschluss um Kinder, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre sind.

Außenminister Heiko Maas kündigte am Mittwoch an, Berlin wolle in den nächsten Wochen zwischen 350 und 500 Kinder aufnehmen. Maas zeigte sich zuversichtlich, dass weitere Länder nachziehen werden. Deutschland wolle hier ein Zeichen setzen, sagte er in der Sendung "Frühstart" der RTL/ntv-Redaktion.

Initiative von acht Staaten

Zuvor hatte Luxemburg angekündigt, kommende Woche zwölf unbegleitete Minderjährige aus den Flüchtlingslagern auf den Inseln Lesbos und Chios aufzunehmen. Anfang März hatten sich acht EU-Länder bereit erklärt, 1600 unbegleitete Minderjährige aus den überfüllten griechischen Lagern aufzunehmen. Neben Deutschland gehören Frankreich, Irland, Portugal, Finnland, Luxemburg, Kroatien und Litauen dazu.

Türkis-Grün bleibt beim Nein

Die türkis-grüne Bundesregierung hält hingegen am kategorischen Nein ihrer türkis-blauen Vorgängerin zu einer Aufnahme von Flüchtlingen fest. Österreich habe genug geleistet, hieß es seitens eines Kanzlersprechers in der Vorwoche. "Es bleibt beim Nein", sagte auch eine Sprecherin von Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP).

Die Zustände in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln gelten seit langem als untragbar. Hinzu kommt nun die Angst vor einer Verbreitung des neuartigen Coronavirus in den Einrichtungen.

Testung auf Coronavirus

Bisher wurden zwar keine Ansteckungsfälle in den Flüchtlingslagern auf den Inseln gemeldet. Nach Angaben von EU-Innenkommissarin Ylva Johansson sollen die Jugendlichen dennoch in Griechenland oder bei Ankunft in den Aufnahmeländern auf das neuartige Coronavirus getestet werden. (apa, afp)