Genf/Wien. Vereine und NGOs warnen seit Wochen vor einem Anstieg der Gewalt gegen Frauen, nun meldet sich auch das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) zu Wort. Angesichts der Ausgangsbeschränkungen in vielen Ländern wegen der Corona-Krise gebe es eine Zunahme häuslicher Gewalt. Flüchtlingen falle es schwerer, sich zu schützen, teilte die Organisation am Montag in Genf mit.

"Einige sind am Ende möglicherweise in ihren Unterkünften und Häusern mit ihren Peinigern eingesperrt, ohne die Möglichkeit zu haben, sich zu entfernen oder persönlich Hilfe zu suchen", sagte die stellvertretende Hochkommissarin Gillian Triggs. Andere Frauen könnten angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen Umstände und mangels Ausweispapieren zu Prostitution oder Kinderheirat gezwungen sein. Weltweit sei das UNHCR deshalb in höchster Alarmbereitschaft.

Auch UNO-Generalsekretär Antonio Guterres hatte vor einer "schrecklichen Zunahme" häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie gewarnt. Auf Twitter rief er die Regierungen dazu auf, dagegen vorzugehen. "Viele Frauen und Mädchen sind dort am meisten bedroht, wo sie am sichersten sein sollten: bei sich zuhause", sagte Guterres.

Alarmierende Zahlen kommen etwa aus Großbritannien. Dort wurden in den ersten drei Wochen der Ausgangsbeschränkungen 16 Frauen von ihren Partnern, Ex-Partnern oder Vätern ermordet. Das ist ein Anstieg um mehr als das Doppelte im Vergleichszeitraum der vergangenen zehn Jahre.

Auch die Zahl der Frauen, die Hilfe suchen, steigt überall dort, wo Ausgangssperren gelten. So sind etwa in Spanien die Anrufe bei Hilfshotlines für Frauen um rund 500 Prozent gestiegen. "Es gibt länderspezifische Unterschiede", sagt Maria Rösslhumer vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser. Bei der österreichischen Frauenhelpline gab es einen Anstieg von 71 Prozent seit Beginn der Ausgangssperre Mitte März. "Viele Frauen berichten, dass ihr Partner sie und die Kinder aus der gemeinsamen Wohnung werfen will, weil er es nicht mehr aushält." Nur: Zu Freunden oder Verwandten zu flüchten, ist in Zeiten der staatlich auferlegten Isolation nicht möglich. Es bleiben die Frauenhäuser. "Hier ist das Hilfsprogramm in den Bundesländern gut angelaufen", sagt Rösslhumer. Die Landesregierungen haben zusätzliche Quartiere geschaffen, sodass keine Frau vor verschlossenen Türen steht.

Die Wegweisungen gewalttätiger Partner sind in Österreich von 874 Fällen im Februar auf 961 im März angestiegen. Sie könnten laut Rösslhumer weiter ansteigen, sobald die Ausgangssperren gelockert werden. Derzeit stelle sich die Frage, wohin die weggewiesenen Männer sollen: "Die Polizei muss Notschlafstellen für sie suchen - das ist eine große Hürde."

Rösslhumer rechnet damit, dass sich mehr Frauen bei Hilfseinrichtungen und bei der Polizei melden, sobald die Maßnahmen gelockert werden. Viele versuchten derzeit, durchzuhalten: "Es ist die Ruhe vor dem Sturm."