In Tschechien wächst die Sorge um die Sicherheit des Prager Oberbürgermeisters Zdenek Hrib und des Bezirksvorstehers Ondrej Kolar. Hintergrund sind die Umbenennung des Platzes vor der russischen Botschaft nach dem ermordeten russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow sowie die Entfernung einer Statue für den Sowjetmarschall Iwan Stepanowitsch Konew.

Seit einigen Tagen ist bekannt, dass die beiden Politiker unter Polizeischutz stehen. Das tschechische Nachrichtenmagazin "Respekt" sorgte nun in seiner Montagsausgabe mit neuen Enthüllungen für Aufsehen. Vor drei Wochen sei ein Mann mit russischem Diplomatenpass auf dem Prager Flughafen gelandet. Die tschechischen Geheimdienste hätten davon gewusst, ihn als ein Sicherheitsrisiko für Hrib und Kolar eingeschätzt und beobachtet. "Die Quellen der Zeitschrift Respekt behaupten, dass der Passagier mit einem Koffer reiste, in dem sich das tödliche Gift Rizin befand", heißt es in dem Beitrag.

Aus Moskau kam umgehend ein Dementi: "Wir wissen nichts von einer solchen Untersuchung. Wir wissen auch nicht, wer etwas untersucht hat oder was", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Agentur Interfax zufolge und sprach von einer Falschnachricht. "Es sieht nach einer Zeitungsente aus."

Der tschechische Außenminister Tomas Petricek zeigte sich unterdessen offen für eine Schenkung der Konew-Statue, die seit 1980 auf dem Prager Platz der Interbrigaden gestanden hatte, an Russland. Man sei bereit, darüber zu verhandeln, sagte er der Zeitung "Hospodarske noviny" (Montag).

Anfang April wurde die Statue Konews trotz Protesten aus Moskau entfernt. "Konew ist gestürzt, doch Konew wird stehen - aber im Museum", sagte Kolar damals. Die Statue hätte einen neuen Platz in der Dauerausstellung eines geplanten "Gedenkmuseums des 20. Jahrhunderts" finden sollen.

Russische Linkspopulisten protestierten gegen die Entfernung der Statue. Sie befestigten am Zaun der Auslandsvertretung ein Spruchband mit dem Text "Stoppt den Faschismus" und warfen Rauchkörper auf das Botschaftsareal. Tschechien verlangte daraufhin für seine Botschaft in Moskau besseren Schutz.

Tschechische Kritiker sahen in dem Monument ein Symbol der sowjetischen Unterdrückung während des Kalten Kriegs etwa durch die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968. Befürworter sehen darin indes ein Zeichen für den Sieg über den Faschismus, denn Konew gilt als Befreier der Tschechoslowakei von der Nazi-Herrschaft. Er war aber auch an der Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands von 1956 beteiligt. Er führte die sowjetischen Truppen in der DDR in der Zeit des Mauerbaus. (apa, dpa)