Rom. Nach fast zwei Monaten mit strengsten Ausgangssperren dürsten die Italiener nach mehr Bewegungsfreiheit. Mit Beginn der "Phase 2" stürmten sie am Montag Cafés und Bars, die Espresso und Cappuccino anbieten, allerdings lediglich zum Mitnehmen. Die Lockerung der Ausgangssperre betrifft zwar nicht die ganze Gastronomie, die erst ab dem 1. Juni die Lokale öffnen kann. Liefer- und "Take away"-Service ist jedoch erlaubt.

Mit der ersten Lockerung der Ausgangssperre soll ein wichtiger Schritt zurück in die Normalität gemacht werden. Mit fast 29.000 Menschen liegt Italien nicht nur bei den Covid-19-Toten auf Platz zwei hinter den USA. Laut den jüngsten Daten des italienischen Statistikamt Istat hat es vor allem in den Corona-Hotspots im Norden eine enorm hohe Übersterblichkeit gegeben. So wurden im März landesweit um 50 Prozent mehr Tote als vor einem Jahr verzeichnet, in den Epidemie-Epizentren Bergamo und Cremona lag der Zuwachs dagegen bei 568 beziehungsweise 391 Prozent. Ein Stück Normalität gab es am Montag aber nicht nur vor Bars und Cafés. Etwa 4,5 Millionen Menschen nahmen auch die Arbeit wieder auf. Die Regierung geht dabei schrittweise vor und erlaubt zunächst der Bauwirtschaft und Industrie einen Neustart. Der Handel soll dann Mitte Mai folgen.

Doch die Ausgangsregeln sind teilweise unklar und sorgen für Verwirrung. Die Menschen dürfen zwar wieder in Parks spazieren gehen, darüber hinaus ist aber nur Einzelsport wie Joggen erlaubt. Besuche bei Angehörigen sind gestattet, große Familientreffen und private Feiern hingegen weiterhin verboten. Viel wurde darüber spekuliert, wie der Begriff "Angehörige" zu definieren ist. Besuche bei Partnern oder Verlobten, mit denen man nicht zusammenlebt, sind erlaubt, Freunde zu treffen jedoch nicht, teilte das Innenministerium mit. Eine korrekt ausgefüllte Selbsterklärung über den Grund des Freigangs muss aber weiterhin jeder mit sich führen. Offen ist, wie die öffentlichen Transportsysteme auf die "Phase 2" reagieren werden. In Bussen und U-Bahnen dürfen nur 50 Prozent der Fahrgäste mitfahren, die normalerweise zugelassen werden. Ein- und Ausgänge auf Bahnhöfen und Flughäfen müssen anders gesteuert werden, etwa durch "Einbahnstraßen". Büros sollten ihre Öffnungszeiten erweitern, um Stoßzeiten zu vermeiden.

Premier Giuseppe Conte rief die Italiener zu Pflichtbewusstsein auf. "Das Land ist in unseren Händen. Mit Umsicht und Entschlossenheit wollen wir verhindern, dass Italiens Wirtschaftsmotor zum Erliegen kommt. Wir können jedoch nicht neu starten, ohne zuerst an die Gesundheit und Sicherheit von uns allen zu denken", schrieb er auf Facebook.