Europa gedachte am Freitag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Nationalsozialismus vor 75 Jahren. Wegen des grassierenden Coronavirus fanden die Feiern überall ohne großes Publikum statt. In Berlin legte die Staatsspitze einen Kranz an der Neuen Wache nieder, in Paris verneigte sich Präsident Emmanuel Macron am Triumphbogen und fachte die Ewige Flamme symbolisch neu an. Queen Elizabeth II., die das Ende des Kriegs als junge Frau miterlebt hat, wendet sich in einer Fernsehrede ans Volk.

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht endete am 8. Mai 1945 der von Hitler-Deutschland entfesselte Krieg in Europa. Er kostete hier und in Asien nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 55 und mehr als 60 Millionen Menschen das Leben.

"Freundschaft und Dankbarkeit"

Der Jahrestag wurde international genutzt, um miteinander in Kontakt zu treten. So hat Kremlchef Wladimir Putin mit Macron und US-Präsident Donald Trump telefoniert. "Dieses Jubiläum ist ein gemeinsames Gut unserer Staaten", hieß es aus dem Kreml.


Macron habe in dem Telefonat den Russen die Freundschaft und Dankbarkeit des französischen Volkes ausgesprochen, ließ der Elyseepalast verlauten. Angesichts der Coronavirus-Krise sei es "notwendiger denn je", Frieden und Stabilität in der Welt aufzubauen.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zeigte sich am 8. Mai offen für eine engere Kooperation mit Russland. Das allerdings nur bei einer Kehrtwende Moskaus im Ukraine-Konflikt und bei der die Demokratie untergrabenden Massenbeeinflussung durch Fake News.

Außerdem übergab Deutschland anlässlich des Jahrestags riesige Datenmengen zu sowjetischen Kriegsgefangenen an Russland. 20.000 Kopien von Unterlagen aus dem Bundesarchiv sollen als erster Teil eines gemeinsamen Projekts an Russland gehen, hieß es bei der Übergabe in Moskau. "Diese Informationen können der Klärung von menschlichen Schicksalen, der wissenschaftlichen Forschung und der Gedenkkultur neue Impulse geben", teilte Außenminister Heiko Maas in einem Grußwort mit. Die Übergabe sei ein sehr wichtiger Schritt in den bilateralen Beziehungen. Bis heute ist das Schicksal von Millionen sowjetischer Kriegsgefangener ungeklärt.

In Österreich wurde anlässlich des Jahrestags auf Massenveranstaltungen ebenfalls verzichtet. Aufgrund der Coronakrise wurde das "Fest der Freude" ins Internet verlegt. Das Ereignis wurde zum achten Mal vom Mauthausen-Komitee Österreich veranstaltet, in den letzten Jahren ging es auf dem Wiener Heldenplatz über die Bühne.

Die Feierlichkeiten wurden von Grußbotschaften der ehemaligen vier Siegermächte begleitet. US-Präsident Trump und sein russischer Amtskollege Putin meldeten sich per Video persönlich zu Wort. Großbritanniens Außenminister Dominic Raab und Frankreichs Botschafter in Wien sandten Grußbotschaften.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs habe sich ein Verhältnis zu Europa entwickelt, das stärker ist als je zuvor sei, betonte Trump in seinem Video-Auftritt. Der US-Präsident erinnerte an das letzte Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und die gute Beziehung zu Österreich, insbesondere im Handel. "Unsere Völker verstehen einander, wir respektieren die Nation und der Kanzler hat einen fantastischen Job gemacht", so Trump. Auch Putin wünschte dem "freundschaftlichen österreichischen Volk Wohlergehen, Frieden und Prosperität". Man habe den Krieg weder gebraucht noch gewollt, betonte er - "Er wurde der Sowjetunion aufgezwungen". Der "große Sieg" habe die Menschheit gerettet. "Er eröffnete den Weg auch zur Wiedergeburt eines unabhängigen, dynamisch entwickelnden, demokratischen Österreichs."

Das Gedenken an die Gefallenen und die Kriegsereignisse sei nicht nur "unsere gemeinsame Pflicht", sagte der russische Präsident. "Es ist auch das Anliegen unseres Gewissens gegenüber der ganzen Generation der Sieger." Man müsse alles unternehmen, damit niemand es wagen könnte, diese Kriegstragödie erneut zu entfachen.

Trauer um Millionen Tote

Der 8. Mai 1945 sei im kollektiven Gedächtnis verankert, so der britische Außenminister Raab. Nationen hätten Millionen von Toten betrauert. "Wir werden uns immer an das Opfer und das Heldentum jener erinnern, die auf dem Schlachtfeld gefallen sind."

Im Namen des französischen Präsidenten sprach Botschafter Francois Saint-Paul: "In einer Zeit, wo die Gesundheitskrise, die wir durchleben, neue Trennlinien in der heutigen Welt ans Licht bringen könnte, ist es umso mehr unsere Pflicht, des 8. Mai zu gedenken, die das Ende der Nazi-Barbarei und des Zweiten Weltkriegs kennzeichnet."

"Mit der vollständigen Kapitulation des Deutschen Reichs, konnte eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte geschlossen werden", meinte Kanzler Kurz am Freitag. "Die Folgen dieser fürchterlichen Zeit beschäftigen uns aber bis heute."

Das "Fest der Freude" findet dann am Abend online mit zahlreichen Ansprachen, unter anderem einer Rede der Zeitzeugin Erika Kosnar, statt und Darbietungen der Wiener Symphoniker. (apa)