Es sind erste, kleine Schritte wieder zurück in Richtung mehr Normalität. Zahlreiche europäische Staaten haben am Montag ihre Corona-Maßnahmen gelockert oder Lockerungen angekündigt. Von einem europäischen Gleichschritt kann aber keine Rede sein. Ein Überblick.

In Frankreich durften die Bürger am Montag erstmals seit acht Wochen ihre Häuser ohne Auflagen verlassen. Auch Geschäfte und viele Schulen öffneten wieder. "Retten Sie Leben - bleiben Sie vorsichtig", hatte Präsident Emmanuel Macron zur Vorsicht getwittert. Und tatsächlich gab es bereits in der Früh vor allem im Großraum Paris Andrang in Metro und Vorortzügen. Denn die französischen Bürger können wieder ohne Passierschein vor die Tür. In öffentlichen Verkehrsmitteln gilt ab jetzt aber Maskenpflicht. Zudem haben in der Pariser Metro zu Stoßzeiten Fahrgäste mit Bescheinigung der Arbeitgeber Vorrang.

Spanien wiederum geht regional sehr unterschiedlich vor. In dem Urlaubsland beginnen die Balearen mit der Hauptinsel Mallorca, das Baskenland und andere Regionen mit "Phase 1" der Normalisierung. Hotels, Restaurants und Bars im Freien dürfen wieder öffnen. In anderen Regionen wie Katalonien oder Valencia sind Lockerungen nur begrenzt erlaubt. Die Hauptstadt Madrid und Barcelona bleiben in "Phase 0" mit strikter Ausgangssperre.

Frankreich und Spanien waren mit jeweils mehr als 26.000 Toten von der Corona-Krise sehr heftig getroffen. Die meisten Todesopfer gab es mit 31.855 nach Behördenangaben aber in Großbritannien. Aber auch dort hat Premier Boris Johnson nun zumindest eine vorsichtige Lockerung der Kontaktbeschränkungen angekündigt. Die Menschen werden nun nicht mehr dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben, sondern "wachsam" zu sein. Wer nicht von zuhause arbeiten könne, solle unter Beachtung der Abstandsregeln wieder zur Arbeit gehen, so Johnson. Von kommendem Mittwoch an seien wieder uneingeschränkt körperliche Betätigungen im Freien erlaubt, solange sie im Kreis des eigenen Haushalts bleiben.

Im mit mehr als 8700 Todesfällen ebenfalls hart von der Corona-Krise getroffenen Belgien steigen die Infektions-und Todeszahlen mittlerweile viel langsamer an. Deshalb durften am Montag nach wochenlangem Verbot wieder alle Geschäfte öffnen - allerdings unter strengen Hygieneauflagen. Zum Muttertag wurden bereits am Sonntag Einschränkungen gelockert: Jeder Haushalt darf nun vier Personen empfangen. Es müssen allerdings immer die gleichen sein - und sie dürften nur diesen einen Haushalt besuchen. Das Abstandsgebot gilt weiter unvermindert.

Generell war vielerorts in Europa der Montag der Tag, an dem wieder viel mehr Geschäfte geöffnet wurden. In Dänemark darf der gesamte Einzelhandel wieder öffnen - auch die Einkaufszentren. In den Niederlanden dürfen Friseure, Beauty-Salons und Masseure wieder Kunden empfangen. Nach zwei Monaten öffnen dort auch die Grundschulen wieder - zunächst für je die Hälfte der Schüler pro Tag. Auch Kindergärten und Bibliotheken sind wieder zugänglich.

Auch in Griechenland begann mit der Öffnung aller Geschäfte des Einzelhandels die zweite Phase des Neustarts der Wirtschaft. Mit dieser Maßnahme kommt nach Angaben der Regierung ein Drittel der Arbeitnehmer zurück zum Arbeitsplatz. Darüber hinaus kehren die letzten Klassen der Gymnasien zurück, damit sie die noch erforderlichen Prüfungen ablegen können.

Viele Änderungen wurden und werden derzeit auch in Österreichs Nachbarländern vollzogen. Rund acht Wochen nach der Schließung dürfen in der Schweiz seit Montag Kindergärten und Schulen, Geschäfte, Restaurants und Museen wieder öffnen. Sport bis zu fünft ist wieder erlaubt. Außer in Schulen sind überall Hygienemaßnahmen sowie Abstand vorgeschrieben. Möglichst soll man weiter von zu Hause arbeiten, damit es kein Gedränge im Nahverkehr gibt. Geschlossen bleiben bis Anfang Juni Kinos, Casinos, Schwimmbäder, Fitnesszentren und Campingplätze. Masken sind keine Pflicht. Doch die Behörden empfehlen sie dort, wo das Abstand halten schwierig ist - wie in Bus und Bahn.

In Tschechien ist der reguläre internationale Reiseverkehr mit Bus, Bahn und Flugzeug wird wieder zugelassen.

Auch in Kroatien werden der öffentliche Fernverkehr und Inlandsflüge wieder aufgenommen. Gaststätten, die draußen bedienen, und Einkaufszentren dürfen wieder öffnen. Treffen bis zu zehn Personen sind erlaubt, wenn Abstand gehalten wird. Kindergärten und Grundschulen öffnen wieder. Darüber hinaus hat das Land am Wochenende seine Grenze für EU-Bürger geöffnet, die aus geschäftlichem oder wirtschaftlichem Interesse sowie dringenden persönlichen Gründen nach Kroatien müssen. Die Einreise ist demnach auch ausländischen Besitzern von Immobilien und Booten gestattet, hieß es auf der offiziellen Internetseite der kroatischen Regierung mit Coronavirus-Informationen. Die bisherige verpflichtende 14-tägige Selbstisolierung für Einreisende nach Kroatien wurde demnach abgeschafft.

Das Nachbarland Slowenien hat ebenfalls Maßnahmen getroffen, die offenbar Gastronomie und Tourismus wieder ein wenig auf die Beine helfen soll. Hotels mit weniger als 30 Betten, Campingplätze, Gaststätten und Freizeitparks dürfen dort seit Wochenbeginn wieder öffnen.