Italien hat Ministerpräsident Giuseppe Conte zufolge den schlimmsten Teil des Corona-Notstands hinter sich. Da die Schutzmaßnahmen und Kontaktsperren langsam aufgehoben würden, müsse das Land nun mit Vertrauen und Verantwortung in die neue Phase eintreten. "Wir können sagen, dass das Schlimmste hinter uns liegt", sagt der Regierungschef im Parlament.

Italien könne aber nicht auf einen Impfstoff warten, sonst würden Gesellschaft und die Wirtschaft irreparabel geschädigt. Conte forderte zudem die Banken auf, "mehr zu tun". Insbesondere die Vergabe staatlich gesicherter Kredite müsse beschleunigt werden.

Das Ausschleifen der Quarantäne muss gefeiert werden: Die Strände der nördlichen Adria haben den Beginn der Badesaison vorverlegt. Die Badeanstalten werden in der norditalienischen Region Emilia Romagna mit den bekannten Stränden von Rimini und Riccione schon am kommenden Samstag statt am nächsten Montag öffnen, beschlossen die Behörden.

Die Badeanstalten hätten sich an die Sicherheitsprotokolle angepasst und seien zum Neustart bereit. Schon an diesem Wochenende sollen die ersten Badegäste empfangen werden, sagte Andrea Corsini, Tourismusbeauftragter der Region Emilia Romagna.

Duschen und Toiletten werden besonders gründlich desinfiziert, geht aus den von der Regierung mit Experten entworfenen Vorsichtsmaßnahmen hervor. Mit Einbahnwegen soll der Kontakt zwischen Menschen auf den Stränden aufs Minimum reduziert werden. Sport und Gruppenspiele sind verboten. Aufseher werden dafür sorgen, dass vor allem Kinder die Abstandsregeln einhalten. Swimmingpools in den Badeanstalten müssen als Vorsichtsmaßnahme gegen die Verbreitung von Covid-19 geschlossen bleiben.

Die italienische Regierung warnte indes vor unerlaubten Partys nach Ende des Lockdowns. Man müsse Ansteckungsmöglichkeiten strickt bekämpfen, sagte Regionen-Minister Francesco Boccia im Interview mit dem TV-Sender "Canale 5" am Donnerstag.

Kritik an Österreich wegen Reisebeschränkungen

Unterdessen kritisierte Italiens Europaminister Enzo Amendola den nördlichen Nachbarn Österreich wegen der Reisebeschränkungen in Richtung Italien. "Die Außengrenzen zu schließen, um den Binnentourismus in Österreich zu fördern, ist keine sensationelle Idee. Wir arbeiten im Einklang mit der EU-Kommission für offene Grenzen aufgrund epidemiologischer Daten", erklärte Amendola in einer Presseaussendung. "Jetzt ist nicht die Zeit für einseitige Erklärungen. Es ist die Zeit intensiver Arbeit, um Europa in dieser harten Phase zu vereinen", betonte Amendola.

Sorgen macht Italiens Regierung die Wirtschaft im Land, die nicht zuletzt auch am Tourismus hängt. Wie am Donnerstag von Insidern zu erfahren war, ist ei neuer 44 Milliarden Euro schwerer Hilfsfonds geplant. Eine erste Tranche von mindestens 4 Milliarden Euro soll demnach zum Kauf von Anteilen an strategisch wichtigen Unternehmen genutzt werden, die in der Pandemie stark unter Druck stehen, um sie vor unerwünschten Übernahmen aus dem Ausland zu schützen. Conte hat bereits im Parlament als Reaktion auf die Corona-Krise wirtschaftspolitische Reformen angekündigt. Bürokratie soll abgebaut, die Führung von Unternehmen verbessert und Investitionen erleichtert werden. Der Premier will ein "Vereinfachungsdekret" durchsetzen, um Kapital aus dem Ausland anzuwerben. Von der Pandemie stark getroffene Firmen sollen zudem Kapitalhilfen bekommen. Ausufernde Bürokratie sowie wenig arbeitgeberfreundliche Vorgaben gelten als ein Grund, warum sich die Wirtschaft in Italien seit Jahren nicht so gut entwickelt wie in vielen anderen Ländern Europas. (reuters,apa)