Nachdem Österreich am Donnerstag seine Grenzen zu den Nachbarländern außer Italien geöffnet hatte, sind Slowenien, Ungarn, Tschechien sowie die Slowakei am Freitag nachgezogen. Nach Tsche-chien dürfen Österreicher seit 12 Uhr einreisen, in die anderen Nachbarländer wurden die Grenzen bereits um 8 Uhr geöffnet. Weder Corona-Tests noch Quarantäne sind für Reisen in die vier Länder mehr nötig.

Slowenien und Ungarn gaben bereits am Donnerstag bekannt, ihre Grenzen am Freitag öffnen zu wollen. Freitagfrüh beschloss dann die tschechische Regierung bei einer außerordentlichen Sitzung, seine Grenzen zu Österreich, Deutschland, der Slowakei und Ungarn ab Freitagmittag vollständig zu öffnen, wie der tschechische Regierungschef Andrej Babis auf einer Pressekonferenz bekannt gab. Ursprünglich wollte Tschechien seine Grenzkontrollen erst ab 15. Juni abschaffen.

"Mit diesen Ländern haben wir das beschleunigt. Wir müssen zur Normalität zurückkehren", sagte Babis. Der Grund der Beschleunigung sei die Entscheidung Österreichs gewesen, seine Gren-zen mit den Nachbarn außer Italien völlig zu öffnen, hieß es. Der tschechische Außenminister Tomas Petricek wies darauf hin, dass auf der deutschen Seite noch bestimmte Einreisebeschränkungen an-dauerten, die Verhandlungen liefen deswegen noch weiter. Tschechien und die Slowakei hatten be-reits am gestrigen Donnerstag die Einreisebeschränkungen zueinander aufgehoben.

Der slowakische Premier Igor Matovic verkündete Freitagfrüh ebenfalls bei einer Pressekonferenz am slowakisch-österreichischen Grenzübergang Berg die vollständige Grenzöffnung zu Österreich und Ungarn. Bei Grenzübertritten würden keinerlei Corona-Tests oder Quarantäne mehr notwendig sein, sagte Matovic. Dies gelte ebenso für Straßen-Grenzübergänge wie auch für Radwege und die sogenannte grüne Grenze. "Ab heute sind die slowakisch-österreichischen Grenzen wieder völlig frei," erklärte er.

Innenminister zerreißt Formular

Für Deutschland und andere Staaten gilt nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa die neue Lo-ckerung vorläufig noch nicht. Matovic habe sich bisher gesträubt, einer von mehreren EU-Ländern und der Schweiz anvisierten Wiedereinführung der Reisefreiheit ab 15. Juni zuzustimmen. Die Öff-nung der Grenze zu Österreich gab der populistisch-konservative Regierungschef gemeinsam mit seinem Innenminister Roman Mikulec bekannt. Er zerriss dabei symbolisch ein nicht mehr notwendi-ges Papierformular.

Die Grenzöffnung zu Ungarn vollzog Matovic gemeinsam mit dem stellvertretenden ungarichen Regierungschef Zsolt Semjen auf ungarischem Gebiet. Dabei trat Matovic erstmals seit seinem Amtsantritt am 21. März ohne Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit auf. "Ich betrete hier ungari-sches Gebiet und fühle plötzlich die Freiheit!", sagte er am Freitag strahlend vor Journalisten.

Der ungarische Außenminister Peter Szijjarto hatte am Donnerstagabend auf Facebook die Öffnung der ungarischen Grenzen mit Österreich und der Slowakei sowie für Einreisende aus Tschechien ab Freitag bekannt gegeben. Slowenien hatte als erstes Nachbarland bereits am Donnerstagnachmittag angekündigt, dass Österreicher ab Freitag auflagenfrei einreisen dürfen.

Kroatien irritiert über Österreich

Die Tatsache, dass Reisende aus Kroatien in Österreich weiterhin in Quarantäne müssen, sorgt unterdessen für Irritationen in dem Adrialand. Kroatien wittert dahinter wirtschaftliche Motive. Jeder schütze seine Wirtschaft, meinte Tourismusminister Gari Cappelli am Donnerstag. "Ich denke aber, dass sich alles bis zum 15. Juni auf der EU-Ebene herauskristallisieren und lösen wird", so Cappelli laut der Nachrichtenagentur Hina. Er fügte hinzu, dass Gespräche über eine Grenzöffnung mit Öster-reich am Laufen seien.

Auch für Reisende aus Italien gelten weiterhin Reisebeschränkungen in Österreich. Das sorgte für Irritationen in Rom wie auch in den benachbarten italienischen Regionen. Südtirol und einige andere Regionen Norditaliens haben darauf hingewiesen, dass die Neuinfektionszahlen in ihren Gebieten bereits sehr niedrig seien.

Deutschland schafft Reisewarnung für Italien ab

Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) sagte dazu, dass sie zumindest eine partielle Öffnung der österreichischen Grenzen zu Italien, insbesondere zu Südtirol, im Juni für möglich halte. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass man im Laufe des Juni eine Öffnung vornehmen kann", so Edtstadler gegenüber der Südtiroler Zeitung "Dolomiten". Die Bundesregierung in Wien prüfe derzeit, "ob es Möglichkeiten gibt, zu einzelnen Regionen früher zu öffnen", sagte sie.

Deutschland schafft unterdessen ab dem 15. Juni die Warnung für Reisen nach Italien ab. Dies kün-digte der deutsche Außenminister Heiko Maas bei einer Pressekonferenz mit seinem italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio am Freitag in Berlin an. "Es handelt sich um einen Beschluss der Loyalität und der Transparenz gegenüber Italien, den wir schätzen", sagte Di Maio. (apa)