Mario Centeno tritt inmitten der Corona-Rezession als portugiesischer Finanzminister und Chef der Eurogruppe zurück. "Meine Amtszeit als Präsident der Eurogruppe endet am 13. Juli 2020", sagte Centeno am Dienstag. Er werde seine Amtskollegen in der Eurozone am Donnerstag "über meine Entscheidung informieren, kein zweites Mandat anzustreben, da ich zum 15. Juni als Finanzminister Portugals zurücktreten werde".

Der Eurogruppen-Chef organisiert die monatlichen Beratungen der Euro-Finanzminister und lotet Kompromisse in Streitfragen aus. Centeno wurde Ende 2017 gewählt und hatte das einflussreiche Amt im Jänner 2018 vom Niederländer Jeroen Dijsselbloem übernommen. Der Posten wird jeweils für zweieinhalb Jahre vergeben. "Über die Frage der Zukunft wird jetzt zu diskutieren sein", sagte der deutsche Finanzminister Olaf Scholz zu dem Rücktritt. Es sei jetzt aber nicht der Moment für Spekulationen über die Personalie. Die Bundesregierung und er hätten "eine klare Vorstellung".

Drei Nachfolgekandidaten

Als potenzielle Nachfolger gelten die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Calvino, der Luxemburger Pierre Gramegna und der irische Minister Paschal Donohoe. Hauptaufgabe ist eine enge Koordinierung der Wirtschaftspolitik. In der Finanz- und Schuldenkrise wurde die Eurogruppe zentrale Schaltstelle für die Ausarbeitung von Rettungsprogrammen für vom Staatsbankrott bedrohte Länder wie Griechenland.

Centenos Nachfolger als Finanzminister soll der für den Haushalt zuständige Staatssekretär Joao Leao werden, wie Präsident Marcelo Rebelo de Sousa bekanntgab. Centeno wird das Verdienst zugeschrieben, die langjährige Sparpolitik beendet und dennoch den ersten Haushaltsüberschuss seit 45 Jahren erzielt zu haben. "Das Leben besteht aus Zyklen und ich möchte öffentlich zum Ausdruck bringen, dass ich verstehe und respektiere, dass Dr. Mario Centeno einen neuen Zyklus in seinem Leben eröffnen möchte", sagte Ministerpräsident Antonio Costa. (reuters, afp)