Die von Demonstranten am Sonntag vom Sockel gerissene und ins Hafenbecken von Bristol geworfene Statue des britischen Sklavenhändlers Edward Colston (1636 bis 1721) ist am Donnerstag aus dem Hafenbecken von Bristol gefischt worden. Die Statue werde "an einen sicheren Ort gebracht" und später "Teil unserer Museumssammlung", erklärte der Stadtrat. Die britische Regierung verurteilte die Aktion vom Sonntag, wieder aufstellen will das Denkmal aber niemand. Tagelang gab es in Großbritannien Demonstrationen gegen Rassismus als Reaktion auf den Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Stadt Minneapolis.

Erst beschmiert, dann ins Wasser geworfen - und nun kopfüber wieder herausgezogen wurde die Statue von Edward Colston in Bristol. - © APAweb / BRISTOL CITY COUNCIL via REUTERS
Erst beschmiert, dann ins Wasser geworfen - und nun kopfüber wieder herausgezogen wurde die Statue von Edward Colston in Bristol. - © APAweb / BRISTOL CITY COUNCIL via REUTERS

Unterdessen wollen die Behörden der südenglischen Hafenstadt Poole nahe Bornemouth eine Statue des Pfadfinder-Gründers Robert Baden-Powell (1857 bis 1941) vorsichtshalber entfernen, um zu verhindern, dass sie ebenfalls im Wasser landet. Baden-Powell hat zwar eine weltweit beliebte Jugendorganisation gegründet, er ist aber als Person umstritten: Kritiker werfen ihm Rassismus, Homophobie sowie Verbindungen zu den Nazis vor, während seine Anhänger die Errungenschaften der weltweiten, 54 Millionen Mitglieder zählenden Pfadfinderbewegung hervorheben. In Poole versammelten sich rund 20 Demonstranten, um ihre Unterstützung für Robert Baden-Powell auszudrücken.

Nigel Farage vergleich Demonstranten mit Taliban

Die Universität von Liverpool will ein nach dem ehemaligen Premierminister William Gladstone benanntes Gebäude wegen dessen Verbindungen zum Sklavenhandel umbenennen. Und in der schottischen Stadt Edinburgh soll eine Tafel an einem Denkmal des Politikers Henry Dundas dessen Verbindungen zum Sklavenhandel erläutern.

Gewohnt deftige Worte zum britischen Statuensturm fand der Gründer der Brexit-Partei, Nigel Farage: Er verglich den Sturz der Colston-Statue in Bristol mit den Taten der radikalislamischen Taliban, die 2001 in Afghanistan alte Buddha-Statuen in die Luft gesprengt hatten. "Was wir am Wochenende gesehen haben, war das entsetzlichste Beispiel einer Herrschaft des Mobs", sagte er dem Sender ITV. Der Radiosender LBC beendete wegen dieser Äußerungen am Donnerstag seine Zusammenarbeit mit Farage.

Kanadier fordern Abbau der Statue des ersten Premierministers

Auch in anderen Ländern ist die Diskussion um umstrittene Statuen und Straßennamen in vollem Gange. In der südfranzösischen Stadt Bordeaux sollen alle Straßen, die nach Sklavenhändlern benannt sind, nun mit zusätzlichen Informationsschildern versehen werden. Bordeaux war Frankreichs zweitgrößter Sklavenhafen. Zwischen 1672 und 1837 wurden von dort aus 150.000 afrikanische Sklaven auf den amerikanischen Kontinent gebracht.

In Kanada unterschrieben tausende Menschen Petitionen, in denen der Abbau der Statue des ersten Premierministers John A. Macdonald (1815 bis 1891) in Montréal und die Umbenennung der Dundas Street in Toronto gefordert wurde. Macdonalds Regierung wird die gewaltsame Assimilierung der indigenen Bevölkerung Kanadas vorgeworfen, Henry Dundas hatte das Ende der Sklaverei abgelehnt und deren Abschaffung im britischen Empire hinausgezögert.

US-Demokraten fordern Umbenennung von Militärbasen

In den USA ist unterdessen ein Streit um historisch belastete Namen entbrannt, die sich auf Südstaatler beziehen. So haben im Repräsentantenhaus Abgeordnete der Demokraten gemeinsam mit Republikanern einen Gesetzentwurf zur Umbenennung von US-Militärstützpunkten eingebracht. "Jüngste, weithin sichtbare Fälle von rassistischer Gewalt und Rassismus haben den dringenden Bedarf für Wandel unterstrichen", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung des Demokraten Anthony Brown und des Republikaners Don Bacon.

Es geht um Stützpunkte, die nach Führern der Konföderierten Staaten benannt sind. Die Konföderierten hatten im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) gegen den Norden gekämpft und sich gegen die Abschaffung der Sklaverei und gegen mehr Rechte für Schwarze gewehrt. Dem Gesetzentwurf zufolge soll eine Nationale Kommission geschaffen werden, die Vorschläge für andere Bezeichnungen von Einrichtungen erarbeiten soll, die Namen trügen, "die nicht den Werten dieses Landes oder der Mission des Militärs der Vereinigten Staaten entsprechen". US-Präsident Donald Trump lehnt eine Umbenennung strikt ab. (apa/dpa)