Trotz verhärteter Fronten zwischen einigen EU-Staaten vor dem morgigen EU-Gipfel zum europäischen Wiederaufbauplan ist Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) zuversichtlich. "Einer Annäherung bei diesem Gipfel steht nichts im Wege", sagte Schallenberg am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas in Wien.

Zuvor hatte Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel die Mitgliedstaaten aufgefordert, schnell eine Einigung auf den milliardenschweren europäischen Hilfsfonds gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu ermöglichen.

Es gehe aber nicht um die Frage, ob es einen Wiederaufbaufonds geben soll, wiederholte Schallenberg die Position der Bundesregierung. Österreich habe ein Interesse daran, "dass wir im europäischen Binnenmarkt gestärkt aus der Krise herauskommen. Was wir nicht wollen ist, dass Staaten, die stärker wirtschaftlich betroffen sind als andere, zu sehr ins Trudeln kommen." Es sei also nicht eine Frage des "ob", sondern des "wie" - und hier sei Österreichs Haltung klar. Österreich stellt sich in einer "Nettozahler-Allianz" gemeinsam mit den Niederlanden, Schweden und Dänemark gegen nicht zurückzahlbare Zuschüsse und fordert stattdessen Kredite.

"Wir können uns aus dieser Krise nicht heraussparen", hielt Maas fest. "Wir müssen Geld in die Herausforderungen der Zukunft investieren, nicht in die Probleme der Vergangenheit."

Deutschland will "mit mutigen und solidarischen Schritten, in einer Dimension, die wir so noch nicht gekannt haben", jene Länder unterstützen, die ganz besonders hart von der Pandemie getroffen worden sind, betonte Maas. Mit Schallenberg habe er über die "unterschiedlichen Sichtweisen" gesprochen habe. Die deutsche Regierung wolle die kommenden Wochen dazu nutzen, die unterschiedlichen Positionen "zusammenzuführen", so der deutsche Chefdiplomat. Berlin übernimmt am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft von Kroatien. (apa)