Die EU-Kommission will strenger gegen Produkte in europäischen Supermärkten vorgehen, die mit der Abholzung im Amazonas-Gebiet in Verbindung stehen. Derzeit würden die Folgen legislativer Schritte und anderer Vorschläge geprüft, sagte Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius im Europaparlament in Brüssel.

Damit solle verhindert werden, dass Produkte, die infolge von Rodung und illegaler Landnahme hergestellt werden, auf den europäischen Markt kommen. Die Kommission wolle dabei auf freiwillige Vereinbarungen mit der Industrie, Pflicht-Etikettierungen und Zertifizierungssysteme setzen.


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"Rodungsfreie Versorgungsketten"

In der Debatte warfen Abgeordnete der brasilianischen Regierung von Präsident Jair Bolsonaro vor, die Covid-19-Pandemie auszunutzen, um im Amazonas-Gebiet weiter zu roden und indigenen Völkern den Lebensraum zu nehmen. Die Grünen-Abgeordnete Anna Cavazzini forderte, "rodungsfreie Versorgungsketten" sicherzustellen. Die Sozialdemokratin Delara Burkhardt sagte, die Abholzung im Amazonas-Gebiet sei nicht nur eine brasilianische Angelegenheit.

Mairead McGuinness von der EVP-Fraktion verwies darauf, dass mit dem - noch nicht ratifizierten - Mercosur-Freihandelsabkommen der europäische Markt auch für Sojaprodukte und Fleisch aus Brasilien geöffnet werde. EU-Kommissar Sinkevicius nannte das Abkommen ein wichtiges Instrument, um Einfluss auf die brasilianische Regierung auszuüben. Die Vertragspartner - auch Brasilien - seien dadurch auf die Einhaltung von Umweltstandards und des Pariser Klimaabkommens von 2015 verpflichtet.

Mit dem Mercosur-Vertrag wollen Europäische Union und vier südamerikanische Länder die größte Freihandelszone der Welt aufbauen. Das soll Unternehmen in der EU jährlich vier Milliarden Euro an Zöllen ersparen und die Exporte ankurbeln. Zum Mercosur gehören neben Brasilien auch Argentinien, Paraguay und Uruguay. (apa)