Der Coronavirus-Reproduktionsfaktor "R" in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts weiter deutlich über den kritischen Wert angestiegen. Der "4-Tage-R" werde nun auf 2,88 geschätzt, der "7-Tage-R" auf 2,03, teilte das Institut am Sonntagabend in seinem täglichen Lagebericht mit.

Das sei vor allem auf lokal begrenzte Ausbrüche unter anderem auf einem Schlachthof in Gütersloh zurückzuführen. Am Samstag war der "7-Tage-R" auf 1,55, am Freitag auf 1,17, am Donnerstag auf 1,00 und am Mittwoch auf 0,89 geschätzt worden.

"Da die Fallzahlen in Deutschland insgesamt auf niedrigem Niveau liegen, beeinflussen diese lokalen Ausbrüche den Wert der Reproduktionszahl relativ stark", so das RKI. "Die weitere Entwicklung muss in den nächsten Tagen beobachtet werden, insbesondere in Bezug auf die Frage, ob es auch außerhalb der beschriebenen Ausbrüche zu einem Anstieg der Fallzahlen kommt", so das RKI.

Ziel ist ein Wert von unter 1, weil damit die Zahl der Infizierten rechnerisch sinkt. Das ist auch mit Blick auf die Frage wichtig, ob Lockerungen ausgeweitet oder wieder zurückgenommen werden müssten.

Fleischfabrik, Schulen, Glaubensgemeinschaft sind Cluster

Aktuell berichtete das RKI von einer hohen Zahl an Neu-Infektionen nicht nur in dem Landkreis Gütersloh, sondern auch Warendorf sowie in Magdeburg und dem Berliner Stadtteil Neukölln. Der Anstieg in Gütersloh sei auf den Ausbruch in dem fleischverarbeitenden Betrieb Tönnies zurückzuführen, wo mehr als 1000 Mitarbeiter positiv getestet worden seien. Damit stünden auch die Zahlen in Warendorf im Zusammenhang, da Mitarbeiter der Firma ihren Wohnsitz in dem benachbarten Landkreis hätten. In Magdeburg gebe es einen Ausbruch, von dem mehrere jetzt geschlossene Schulen betroffen seien. In Neukölln gehe es um Fälle im Umfeld einer Glaubensgemeinschaft. Am Samstag hatte das RKI erklärt, ein bundesweiter Anstieg der Fallzahlen sei daraus bisher nicht abzuleiten.

Das Institut schaut sich bei der Beurteilung der Lage aber nicht nur den R-Wert an. Wichtig sind demnach auch die Zahl der Neuinfektionen im Tagesvergleich, die Zahl positiv ausgefallener Tests sowie die Be- und Auslastung des Gesundheitswesens. Am Sonntag hieß es, das RKI schätze die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland derzeit weiter insgesamt als "hoch" und für Risikogruppen als "sehr hoch" ein. (apa,reuters)