Nach dem massiven Coronavirus-Ausbruch beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies soll es nun in Österreich ein Landeverbot für Flugzeuge aus  Nordrhein-Westfalen geben. Das Gesundheitsministerium regelt per Verordnung, aus welchen Corona-Hotspots - Ländern und Regionen - Flugzeuge nicht in Österreich landen dürfen. Zu den derzeit neun Staaten bzw. Landesteilen gesellt sich nun das größte deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen hinzu. Das wurde der APA am Mittwoch auf Nachfrage beim Ministerium von Rudolf Anschober (Grüne) bestätigt.

Die entsprechende Verordnung soll noch heute fertig werden, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Das einwohnerstärkste und wirtschaftsstarke deutsche Bundesland ergänzt dann jene Liste, auf der aktuell schon die Volksrepublik China, die Islamische Republik Iran, die Lombardei innerhalb Italiens, Belarus, Portugal, das Vereinigte Königreich, Schweden, die Russische Föderation, und die Ukraine stehen.

Zuvor hatte die Bundesregierung in Wien nach dem massiven Coronavirus-Ausbruch beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen eine partielle Reisewarnung der Stufe fünf für das 18-Millionen-Einwohner-Bundesland verhängt. Größere internationale Flughäfen gibt es in Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, Köln-Bonn und Münster/Osnabrück.

Rumänien fordert bessere Bedingungen in deutschen Schlachthöfen

Rumänien fordert unterdessen angesichts der Coronavirus-Ausbrüche in der Fleischindustrie einen besseren Schutz seiner Staatsbürger in deutschen Schlachthöfen. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten müssten "dringend verbessert werden", sagte der rumänische Botschafter in Berlin, Emil Hurezeanu, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben).

Die Kritik an den Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie sei "zu Recht immer heftiger" geworden. Beim Fleischkonzern Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück gibt es einen massiven Corona-Ausbruch mit mehr als 1.550 positiv getesteten Beschäftigten. Hurezeanu sagte, die Hälfte der Mitarbeiter seien rumänische Staatsangehörige. Sein Land erwarte daher, dass die deutsche Regierung gesetzliche Vorhaben zur besseren Regulierung der Branche umsetze.

Rumänien begrüße "das Vorhaben der Bundesregierung zu einer stärkeren Regulierung der Beschäftigung in den Schlachtbetrieben", sagte der Botschafter. Es führe "hoffentlich zu mehr Transparenz und Überschaubarkeit" bei den Arbeitsbedingungen sowie "zu mehr Verantwortung der Unternehmen". Notwendig sei aber auch eine Verstärkung der Kontrollen durch die Behörden vor Ort.

Seit Jahren in der Kritik

Die Zustände in der deutschen Fleischindustrie stehen seit Jahren in der Kritik. Die Bundesregierung hatte bereits im Mai neue Auflagen auf den Weg gebracht. Vorgesehen ist unter anderem ein Verbot von Werkverträgen, das ab dem 1. Januar 2021 gelten soll. Danach sollen nur Angestellte des eigenen Betriebs Tiere schlachten und zerlegen dürfen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will Verabschiedung und Inkrafttreten des Gesetzes nun vorziehen.

Am Dienstag kündigten drei große Konzerne - Tönnies, Westfleisch und PHW mit der Marke Wiesenhof - an, künftig auf Werkverträge in maßgeblichen Bereichen zu verzichten. Tönnies und Westfleisch stellten auch Verbesserungen bei der Unterbringung der Arbeiter in Aussicht. (apa, afp)