Der kosovarische Präsident Hashim Thaci wird am Kosovo-Kriegsverbrechertribunal angeklagt. Das Büro des Sonderanklägers in Den Haag erklärte am Mittwoch, Thaci und anderen Personen würden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg vorgeworfen, darunter fast 100 Morde.

Die Anklageschrift sei das Ergebnis einer langwierigen Untersuchung und spiegelt die Entschlossenheit der Ermittler wider, alle Anklagepunkte zweifelsfrei zu beweisen, hieß es.

Über Jahrzehnte prägte Thaci die Politik des Kosovo mit. Während des Kosovo-Krieges war er politischer Direktor der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK), der kosovo-albanischen Milizen, die für die Unabhängigkeit der damaligen südserbischen Provinz gegen die serbischen Sicherheitskräfte kämpften. Nach Kriegsende im Jahr 1999 gründete er die Demokratische Partei (PDK), an deren Spitze er bis 2016 stand.

Von 1999 bis 2000 und von 2008 bis 2014 war Thaci kosovarischer Ministerpräsident und danach (2014 bis 2016) auch Außenminister war. Er führte ebenfalls den den Normalisierungsdialog mit Belgrad, der seit November 2018 allerdings auf Eis liegt.

Vor wenigen Wochen kündigte der 52-Jährige an, seine politische Karriere beenden zu wollen. Seine aktuelle Amtszeit als Staatsoberhaupt würde im April 2021 auslaufen. (apa)