Großbritannien will der heimischen Wirtschaft mit riesigen Summen zusätzlicher Staatsgelder aus der Coronakrise helfen. "Ich bin überzeugt, die Investitionen werden sich auszahlen, weil dies eine sehr, sehr dynamische, sehr produktive Wirtschaft ist", sagte Premierminister Boris Johnson am Montag dem Sender Times Radio.

Er verwies auf das Beispiel des früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, der sein Land mit dem "New Deal"-Programm aus der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre führte. Zu den Reformen gehörten damals etwa kostspielige öffentliche Projekte zur Schaffung von Arbeitsplätzen. "Für Großbritannien ist es an der Zeit, nach dem Vorbild Roosevelts vorzugehen", unterstrich Johnson. Er kündigte unter anderem eine Plattform an, die Unternehmen Anreize für Investitionen und Weiterbildungsoffensiven liefern soll.

Die Regierung in London hat bereits Nothilfen und Steuererleichterungen im Wert von schätzungsweise 133 Milliarden Pfund (147 Milliarden Euro) angekündigt. Nun teilte die britische Schuldenagentur mit, zwischen April und August Staatsanleihen im Rekordvolumen von 275 Milliarden Pfund zu begeben. Das ist mehr als doppelt so viel wie im gesamten vergangenen Fiskaljahr.

Baubranche beflügelt

Die Aussicht auf milliardenschwere Infrastruktur-Investitionen ermuntert Anleger zum Einstieg bei britischen Baufirmen. Die Aktien von Keir,
Costain, Galliford Try, Severfield, Morgan Sindall und 3i steigen um bis zu 8,8 Prozent. Am Dienstag will Premierminister Boris Johnson sein
Konjunkturpaket vorstellen.

"Deutlich fetter als die anderen"

Großbritannien gehört zu den Ländern, die weltweit am stärksten von der Coronakrise betroffen sind. Die Regierung steht deswegen in der Kritik. Die Pandemie sei eine Katastrophe für das Land gewesen, sagte Johnson nun. Die Regierung schulde all jenen, die gestorben seien und gelitten hätten, eine genaue Prüfung dessen, was schiefgelaufen sei. Jetzt sei aber nicht die richtige Zeit, um Fehltritte zu untersuchen.

Johnson war selbst mit dem neuartigen Coronavirus infiziert und wurde im April einige Tage auf der Intensivstation behandelt. In dem Interview betonte er, dass es ihm inzwischen "sehr gut" gehe und er an Gewicht verloren habe. Ein Problem sei, dass Fettleibigkeit in Großbritannien stärker verbreitet sei als fast überall sonst in Europa. "Wir sind deutlich fetter als die meisten anderen", sagte der Premierminister. (reuters)