Inmitten der Corona-Pandemie hat im jüngsten EU-Land Kroatien Sonntagfrüh die Parlamentswahl begonnen. Erwartet wird ein enges Rennen zwischen der regierenden konservativen HDZ und dem von Sozialdemokraten (SDP) angeführten links-liberalen Oppositionsbündnis Restart. Die HDZ konnte auf prominente Wahlhilfe setzen, darunter Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Ähnlich wie nach den vorangegangenen zwei Urnengängen wird wegen des knappen Wahlergebnisses mit einer schwierigen Regierungsbildung gerechnet. Restart liegt in den Umfragen knapp vor der HDZ und dürfte den relativen Sieg einfahren. Bessere Chancen, eine Koalitionsregierung zu bilden, schreiben Politikexperten allerdings der HDZ von Ministerpräsident Andrej Plenkovic zu. Der 50-Jährige dürfte nach dem Votum leichter potenzielle Bündnispartner finden als der 40-jährige SDP-Chef Davor Bernardic, dem Politikexperten das Premiersamt nicht zutrauen.

Eine entscheidende Rolle soll dabei die rechtsnationalistische Partei des Folk-Popsängers Miroslav Skoro "Domovinski pokret" (Heimatbewegung) spielen. Sie könnte bei ihrem Debüt drittstärkste politische Kraft werden.

Ausschluss Infizierter "verfassungswidrig"

Zur Wahl sind rund 3,86 Millionen Kroaten aufgerufen. Auch Corona-Infizierte werden abstimmen dürfen, und zwar mit Hilfe einer Vertrauensperson. Die staatliche Wahlkommission hatte sie ursprünglich von der Stimmabgabe ausgeschlossen, was Rechtsexperten als verfassungswidrig kritisierten. Am Freitag verlangte auch der kroatische Verfassungsgerichtshof, solchen Wählern das Abstimmen zu ermöglichen.

Die Wahlkommission gab vor, dass infizierte Wähler vom Wahlkomitee zu Hause besucht werden, dieses wird aber die Wohnung nicht betreten. Eine Vertrauensperson wird den Wahlzettel nach Anweisungen des Wählers ausfüllen und ihn in einem Briefumschlag dem Komitee übergeben. Die infizierte Person darf dabei nicht in Kontakt mit dem Wahlzettel kommen, lauteten die Anweisungen.

Am Vormittag hatten knapp 18,1 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben, rund einen Prozentpunkt weniger als beim vergangenen Urnengang 2016. Die Wahllokale bleiben bis 19 Uhr geöffnet. (apa)