Die seit eineinhalb Jahren auf Eis liegenden Gespräche zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo sind nach Angaben der EU "wieder auf Kurs". Der EU-Sonderbeauftragte für die Verhandlungen, Miroslav Lajcak, dankte dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und dem Ministerpräsidenten des Kosovo, Avdullah Hoti, nach einer Videokonferenz am Sonntag für den "konstruktiven Dialog".

Als nächstes steht ein persönliches Treffen zwischen Hoti und Vucic am Donnerstag in Brüssel an.

Die Teilnehmer hätten sich bei dem Gespräch am Sonntag auf die "wichtigsten Elemente des Prozesses und die Agenda für das nächste Treffen geeinigt", sagte Lajcak, ohne weitere Details zu nennen. An der Videokonferenz nahm auch der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell teil.

Hoti zeigte sich nach dem Gespräch zuversichtlich, dass der Dialog die bestehenden Probleme lösen kann. "Wir sind bereit, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, um die Staatlichkeit des Kosovo zu verteidigen und die Normalisierung der Beziehungen sowie die gegenseitige Anerkennung zu fordern", sagte Hoti.

Thaci will bei Anklage zurücktreten

Der Anlauf zu neuen Gesprächen entstand, nachdem die Ankläger des Haager Sondergerichts für das Kosovo dem kosovarischen Präsidenten Hashim Thaci Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt hatten. Wegen Thacis drohender Anklage war ein ursprünglich Ende Juni im Weißen Haus in Washington geplanter Gipfel mit Serbien und dem Kosovo geplatzt.

Der frühere Kommandant der Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) weist die in Den Haag gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen zurück. Er habe vielleicht "politische Fehler" begangen, Kriegsverbrechen jedoch nie, beteuerte er und kündigte an, "unverzüglich zurücktreten" und sich den Anschuldigungen stellen zu wollen, sollte das Tribunal die Anklage bestätigen.

Das Kosovo hatte sich 2008 von Serbien losgesagt. Anders als die meisten EU-Länder erkennt Serbien die Unabhängigkeit bis heute nicht an. (apa, afp)