Skopje. Mitten in der schwelenden Corona-Krise finden am Mittwoch die Parlamentswahlen in Nordmazedonien statt. Aktuelle Umfragen gehen von einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem regierenden Sozialdemokratischen Bund (SDSM) von Zoran Zaev und der nationalkonservativen VMRO-DPMNE von Hristijan Mickoski aus.

Der seit Mitte 2017 regierende SDSM, der im Bündnis mit kleineren Parteien wie der albanischen Bewegung Besa von Bilall Kasami steht, wirbt mit dem ambitionierten Motto "Wir können. Noch mehr. Noch besser" und führt in den Meinungsumfragen knapp vor der VMRO-DPMNE. Die Partei, deren Ex-Chef Nikola Gruevski im November 2018 Zuflucht vor der Justiz in Ungarn fand, war zwischen 2006 und 2017 an der Macht. Sein Nachfolger Mickoski hat sich unter dem Motto "Der Wiederaufbau kommt" zwei Ziele gesetzt: den Sieg über den SDSM und der Kampf gegen Corona.

Unter den Parteien der albanischen Volksgruppe, die ein Viertel der Landesbevölkerung ausmacht, wird der entscheidende Kampf zwischen der Demokratischen Integrationsunion (DUI) von Ali Ahmeti, die seit 2012 Mitglied jeder Regierung war, und dem Bündnis um die Allianz für Albaner von Zijadin Sela geführt. Die traditionell in der albanischen Volksgruppe führende DUI wirbt dieses Mal mit ihrem eigenen Ministerpräsidentenkandidaten um die Stimmen. "Ein Albaner als Premier. Warum nicht?" lautet das Motto. Dem Kandidaten Naser Ziberi werden allerdings keine realistischen Chancen zugestanden.

Der Volkswirt Zaev, der zwischen Mai 2017 und Jänner 2020 als Regierungschef fungierte, kann politisch auf wesentlich mehr Erfahrungen als der Maschinenbauingenieur Mickoski (42) hinweisen, der zwischen 2015 und 2017 Energieberater des damaligen Ministerpräsidenten Gruevski und dessen Amtsnachfolger Emil Dimitriev war.

Skopje klopft an EU-Tür

Dem 45-jährigen Zaev werden die Verdienste für die Lösung des jahrelangen Namensstreites mit Griechenland im Juni 2018 zugeschrieben, auch wenn diese in den Reihen der VMRO-DPMNE umstritten ist. Das Land musste entsprechend der Einigung mit Athen seinen Namen ändern: Aus der Republik Mazedonien wurde die Republik Nordmazedonien. Dass die VMRO-DPMNE das Abkommen bei einer Regierungsbeteiligung aufkündigen wird, glauben Experten nicht. Allerdings würden sie dessen Umsetzung verlangsamen.

Dem Balkanland hatte der Vertrag die Tür zur Nato und der EU-Annäherung wieder geöffnet. Seit dem 27. März ist Nordmazedonien das 30. Mitglied des Militärbündnisses. Die EU hatte unterdessen nach der Blockade Ende des Vorjahres im März doch Grünes Licht für die Aufnahme der Beitrittsgespräche mit Skopje gegeben. Eine erste Gesprächsrunde wird vor Jahresende erwartet.

Am Wahltag selbst werden 1,8 Millionen Menschen ihre Stimme von 7.00 bis 21.00 Uhr abgeben können. Die Wahllokale bleiben zwei Stunden länger als sonst üblich offen. Mit den ersten Wahlresultaten wird in der Nacht auf Donnerstag gerechnet.

Entscheidend wird Experten zufolge die Wahlbeteiligung sein. In 2016 kam sie auf 67 Prozent, für diese Wahlen prognostizieren Umfragen aufgrund des Coronavirus‘ etwas mehr als 50 Prozent.

Angesichts der Coronakrise sind besondere Sicherheitsmaßnahmen wie Maskenpflicht und Desinfektionsmittel in allen Wahllokalen vorgesehen.