Den anderen war inzwischen fad, also ließen sie sich von der belgischen Premierministerin Sophie Wilmès, der "Hausherrin" gewissermaßen, auf Fritten einladen. Draußen, beim Pommesstandl. - © APAweb /REUTERS
Den anderen war inzwischen fad, also ließen sie sich von der belgischen Premierministerin Sophie Wilmès, der "Hausherrin" gewissermaßen, auf Fritten einladen. Draußen, beim Pommesstandl. - © APAweb /REUTERS

Man lernt nie aus. Deshalb ist nun gemeinhin bekannt, dass das Brüsseler Ratsgebäude, das aus dem alten, grauen Teil und dem farbenfrohen, neuen Gebäude besteht, auch schicke Dachterrassen hat. Wer hätte das gedacht! Das Presseteam des Präsidenten schickte ein paar nette Fotos, sie erinnerten an geselliges Beisammensein beim Nobelheurigen und zeigten, was sich tat: Charles Michel mit Viktor Orban, Charles Michel mit Mark Rutte, mit Ursula von der Leyen, mit Angela Merkel, mit Emmanuel Macron und so weiter.

Man saß in der milden Brüsseler Sommersonne und versuchte im bilateralen Gespräch oder in gruppendynamischer Runde all das zu klären, was das große Plenum nicht zuwege brachte. Alles eigentlich, von der kleinen Unschärfe bis zum Mega-Diskurs. Den anderen war inzwischen fad, also ließen sie sich von der belgischen Premierministerin Sophie Wilmès, der "Hausherrin" gewissermaßen, auf Fritten einladen. Draußen, beim Pommesstandl.

Die Fetzen flogen

Mehr gibt es nicht zu berichten? Doch, natürlich. Tag eins war ja eher bleiern verlaufen, der Samstag stand im Zeichen neuer Dynamik. Charles Michel legte seinen neuen Vorschlag vor und plötzlich waren alle hellwach, besonders die "sparsamen Vier": Österreich, Schweden und Dänemark bekamen noch mehr Rabatte (Österreich nun 287 Millionen jährlich statt 237 Millionen), das Verhältnis zwischen Zuschüssen und Krediten wurde korrigiert (nun 450 zu 300 Milliarden) und die Allokationskriterien sollen angepasst werden.

Damit war natürlich einiges klar, aber auch nichts irgendwie. Sebastian Kurz nickte wohlgefällig, meinte aber, man sei bloß auf dem richtigen Weg und es müsste noch mehr drinnen sein.

Mark Rutte, niederländischer Kontrapunkt, beharrte auf seinem "Super-Notbremssystem" und brachte noch einmal die Italiener gegen sich auf, die sich von niemandem bevormunden lassen wollen. Viktor Orban und Mateusz Morawiecki zogen die Mundwinkel demonstrativ nach unten, das mit der Rechtsstaatlichkeit kommt ihnen nicht ins Haus. Die Fetzen flogen angeblich beim Abendessen, irgendwie war da die gute Stimmung vom Freitag, als man noch Merkels und Costas Geburtstag und Mette Frederiksens Hochzeit gefeiert hatte, verflogen.

An den Tischen, beim Abendessen und in den Besprechungsräumen und auf der schicken Dachterrasse saß jeweils ein unsichtbarer Gast dabei, mit dem etwas sperrigen Namen "nationales Interesse". Wo ist der große europäische Gedanke, die gemeinsamen Werte, die Solidarität der Mitgliedsländer? Die Frugalen zeigen es vor, auf ihre Art sind alle Länder frugal, sparsam oder geizig, nicht nur beim Geld, auch dort, wo es ums Zusammenhalten geht.

Gekämpft wie ein Löwe

Am Ende des Gipfels, am Ende jedes Gipfels, fährt jeder der großen Staatenlenker nach Hause und hat vor allem eines im Sinn: was sag` ich meinen Leuten, was ich alles herausgeholt habe? Gekämpft wie ein Löwe, from dusk till dawn, und jetzt gibt’s dafür Rabatte, Zuschüsse, Kredite, Einsparungen, Bedingungen, Berechnungen, Kontrollen, Beschneidungen, Reduzierungen und ein bissl zahnlose Rechtsstaatlichkeit.

So betrachtet fahren alle wie kleine Sieger nach Hause von so einem Gipfel. In Vielfalt vereint? Nicht wirklich.