Die überraschende Quarantäne-Pflicht der britischen Regierung für Spanien-Urlauber sorgt bei Heimkehrern auf die Insel für gehörigen Frust. "Es ist wirklich schlimm, denn es ist ganz plötzlich gekommen, es hat nicht viel Zeit zur Vorbereitung gegeben, so dass jetzt alle in Panik geraten", sagte Emily Harrison aus Essex, die auf dem Madrider Flughafen Barajas einen Flug nach London nahm. Ihr steht nun eine zweiwöchige Selbstisolation bevor. "Das ruiniert die Pläne für alle", sagte Harrison. "Wir waren auf eine Hochzeit eingeladen, und wir hatten vor, Freunde und Familie zu besuchen, die wir schon sehr lange nicht mehr gesehen haben, und jetzt müssen wir all diese Pläne absagen, es ist wirklich ärgerlich."

Sogar der britische Verkehrsminister selbst ist von der Maßnahme überrascht worden und sitzt nun ebenfalls in Spanien.

Die britische Regierung hatte nämlich am späten Samstag wegen steigender Corona-Zahlen abrupt beinahe in einer Nacht-und-Nebelaktion eine Zwei-Wochen-Quarantäne für alle Reisenden aus Spanien angeordnet. Die Maßnahme gilt seit Mitternacht britischer Zeit (01.00 Uhr MEZ Sonntag). Der Reiseveranstalter TUI kündigte daraufhin an, seine Flüge von Großbritannien auf das spanische Festland und zu den Kanarischen Inseln zu streichen. "Wir sind unglaublich enttäuscht, dass wir nicht früher von dieser Ankündigung erfahren haben", sagte der TUI-Geschäftsführer für Großbritannien und Irland, Andrew Flintham. Schließlich wollten viele Briten am Wochenende in den Urlaub starten.

Das Außenministerium empfahl zudem, auf alle unvermeidbaren Reisen auf das spanische Festland zu verzichten. Bisher führte die britische Regierung Spanien auf einer Liste von Ländern, die für Reisende als sicher galten - was bedeutete, dass Touristen, die nach Hause zurückkehrten, nicht unter Quarantäne gestellt werden mussten. Österreich führt Spanien übrigens weiterhin als "sicheres Land" an. Großbritannien übrigens nicht.

"Spanien fühlt sich sicherer an"

Allerdings kam es in den vergangenen Wochen in Spanien, eines der am schlimmsten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Länder in Europa, zu einem Anstieg der an dem Virus infizierten Personen. Daher sahen sich viele spanische Regionen dazu veranlasste, die Menschen zum Tragen einer Maske aufzufordern. Allerdings ist Großbritannien selbst noch stärker von der Pandemie betroffen. Einige britische Touristen wiesen darauf hin, dass die spanischen Regeln für das Tragen von Masken viel strenger seien als die britischen. "Wir sind ehrlich gesagt ziemlich frustriert darüber, denn es fühlt sich in Spanien tatsächlich sicherer an", sagte die britische Touristin Carolyne Lansell.

Die Briten stellten im vergangenen Jahr mehr als 20 Prozent der ausländischen Besucher in Spanien, die größte Gruppe nach Nationalität. Der Bürgermeister vom Ferienort Benidorm an der Costa Blanca, Antonio Perez, sagte, es sei ein "harter Schlag". Die Regierung in Madrid erklärte, Spanien sei ein sicheres Land mit nur lokalen und isolierten Coronavirus-Ausbrüchen. (reuters)