Sommer, Sonne, Ferien: In Süditalien füllen sich die Strände, das Nachtleben boomt. Während ausländische Gäste heuer ausbleiben, strömen Einheimische in die Urlaubsorte. Mopeds knattern, Musik tönt aus den Lautsprechern, die Stimmung ist gut. Und wenn es dunkel wird, drängen sich Horden junger Menschen durch die engen Gassen.

Die Corona-Krise ist noch nicht überstanden, schon müssen die Verantwortlichen fürchten, dass die Fallzahlen wieder sprunghaft ansteigen.

In Kampanien werden vorerst nur die Lokal- und Geschäftsinhaber in die Pflicht genommen. Wenn sich Kunden oder Mitarbeiter nicht an das verpflichtende Tragen des Mund-Nasen-Schutzes halten, gibt es saftige Strafen. Bis zu 1000 Euro werden fällig, zahlen muss der Wirt. Demnächst könnten auch die Gäste zur Kasse gebeten werden. "Entweder verhalten sich die Personen verantwortungsbewusst oder wir werden in ein bis zwei Wochen zur Ergreifung drastischer Maßnahmen gezwungen sein", drohte jedenfalls der Regionalpräsident von Kampanien, Vincenzo De Luca. Auch eine Beschränkung der Gästezahl wird diskutiert.

Von sauber bis steril

Die Rede davon ist etwa auf der Insel Ponza, wo viele hitzegeplagte Bewohner der nahen Hauptstadt Rom Abwechslung suchen. Das Geschäft brummt, doch gerade das Getümmel in den engen Straßen bereitet den Verantwortlichen schlaflose Nächte. Dazu kommt, dass die im Auftrag der Regierung entwickelte Corona-App "Immuni" die Erwartungen nicht erfüllt. Nur 4,3 Millionen Italiener haben sie heruntergeladen, also zwölf Prozent der Bevölkerung. Der Rest hat oft Bedenken wegen Datenschutz.

In den norditalienischen Touristen-Hochburgen hingegen herrscht gähnende Leere. In Bibione etwa gibt es nur vereinzelt Gäste, weit weniger als in früheren Jahren. Herbergen und Strände sind schlecht besucht. Nicht zuletzt deshalb hat sich Bürgermeister Pasqualino Codognotto jetzt brieflich an den österreichischen Bundeskanzler gewandt und ihn zu einem Urlaub eingeladen. Sebastian Kurz solle sich selbst überzeugen: Bibione biete sichere Strände an und erfülle alle Anti-Covid-19-Sicherheitsprotokolle, so der Bürgermeister.

Auch am Lido di Jesolo und in Caorle sind lange Gesichter zu sehen. Alle Register werden gezogen, um das Finanzdesaster abzuwenden. In den Unterkünften würden alle Oberflächen mehrmals desinfiziert, Handtücher und Bettwäsche sterilisiert, versichern die Hoteliers. Die Sonnenliegen in den Poolbereichen seien mit einem Mindestabstand von zwei Metern angeordnet. Jeder Strandplatz umfasse großzügige 54 Quadratmeter, selbst die Sonnenschirme würden täglich chemisch gereinigt.

Allein, den Gästen ist die Lust vergangen.

Griechenland ist zwar schon seit der Schuldenkrise Kummer gewöhnt, wobei einer der wenigen Lichtblicke der Tourismus war. Doch heuer wird es auch damit nichts. Einreisende müssen angeben, wo sie sich zuvor aufgehalten haben und wo in Griechenland sie Quartier nehmen. Ein Algorithmus errechnet dann, wer nach der Ankunft einen Corona-Test machen muss. Ist das Resultat positiv, kommt die Person in ein eigenes, von der Regierung bereitgestelltes Hotel und wird dort 14 Tage isoliert.

Frühbucher gab es genug, seit März hagelt es Stornierungen. Neubuchungen sind selten.

Ist die Einreise-Hürde genommen, ist im Land ein Sicherheitsabstand von 1,5 Meter einzuhalten. Das Tragen der Maske wird empfohlen, in Taxis und öffentlichen Verkehrsmitteln ist es ein Muss. Die Badestrände sind frei zugänglich und vor allem auf den griechischen Inseln menschenleer. Restaurants dürfen öffnen - viele haben wegen geringer Auslastung trotzdem geschlossen. Manche Wirte harren tapfer in der Hoffnung aus, dass sich doch noch ein Tourist in ihr Lokal verirrt.

Maske statt Ballermann

Auch Spaniens Tourismusbranche liegt zerstört am Boden und das nicht erst, seit britische Gäste bei der Rückkehr in ihre Heimat isoliert werden. Viele Hotels haben erst gar nicht geöffnet, die Einheimischen sind auf den Stränden erstmals unter sich.

Zudem wird dem Ballermann-Tourismus ein Riegel vorgeschoben. Auf Mallorca gilt eine generelle Maskenpflicht auch dann, wenn der Sicherheitsabstand zu anderen Personen eingehalten werden kann. Wer trotzdem ohne Maske erwischt wird, zahlt hundert Euro. Ausnahmen gelten am Strand, am Pool, beim Essen und Trinken, beim Sport und außerhalb der Ortschaften.

Mitte Juli war es auf Mallorcas Stränden zu den üblichen Trinkexzessen gekommen, auf Promenaden und Partybooten gab es feucht-fröhliche Zusammenkünfte, ohne dass jemand eine Maske getragen hätte. Laut spanischen Behörden handelte es sich bei den Feiernden um Deutsche und Briten.

Bei der Durchsetzung der Regeln sind die Behörden kreativ: In manchen Teilen Spaniens werden von der Polizei sogar Drohnen mit Kameras eingesetzt, um die Einhaltung des Mindestabstands zu kontrollieren.

Die deutsche Politik unterstützt aus eigenem Interesse die spanischen Maßnahmen. Man müsse aufpassen, dass "der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn.

In Deutschland selbst werden Sommerfrischler ebenfalls genau kontrolliert. An der Nord- und Ostseeküste wachen Angestellte privater Sicherheitsdienste darüber, dass die Abstände eingehalten werden. Zusammenrottungen werden genau beobachtet, die Strandkörbe penibel gereinigt.